Die Edelstahlinteressen von Krupp und Thyssen sollen in eine gemeinsame Tochtergesellschaft eingebracht werden. Für die zwischen Hoesch und Krupp geplante Stahlehe entstehen dadurch Probleme, die Gründung von Ruhrstahl gerät in Gefahr.

Detlev Rohwedder, der Vorstandsvorsitzende von Hoesch, soll bis in die Nasenspitze erbleicht sein. Ursache für diese Reaktion des hartgesottenen Ex-Staatssekretärs: Hinter seinem Rücken vereinbarten Thyssen-Chef Dieter Spethmann und der Vorstandsvorsitzende der Fried. Krupp GmbH, Wilhelm Scheider, ihre Edelstahlwerke zusammenzulegen. Schon in der Verlobungszeit ging Hoeschs Partner Krupp fremd.

Bei Thyssen und Krupp beeilt man sich freilich mit der Versicherung, der Vereinigung von Hoesch und Krupp-Stahl zur Ruhrstahl stehe das angepeilte Geschäft durchaus nicht im Wege. So soll denn auch die Beteiligung an den zu gründenden Edelstahlunternehmen nicht von Krupp, sondern von der „in Gründung befindlichen Ruhrstahl AG“ gehalten werden. Und ein Krupp-Sprecher beteuert, Ruhrstahl habe „absolute zeitliche Priorität“.

Das ändert freilich nichts an der Tatsache, das Krupp den Partner Hoesch vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Rohwedder wurde erst ins Vertrauen gezogen, als sich Krupp und Thyssen einig waren.

Das Ganze ist bester „Dalls“ -Stil – J. R. Ewing könnte Regie geführt haben. Dabei ist es nicht einmal eine Erstaufführung. Denn ein ähnliches Bubenstück inszenierte Thyssen Ende der sechziger Jahre schon einmal. Damals war sich Hoesch mit Mannesmann einig, beide Unternehmer wollten ihre Stahlinteressen zusammenlegen. In letzter Minute bot Thyssen den Mannesmännern an, das Röhrengeschäft der beiden Konzerne zu vereinigen und den Massenstahl Von Mannesmann zu übernehmen. Das Verlöbnis ging in die Brüche, Hoesch wurde in die unglückliche Ehe mit dem holländischen Unternehmen Hoogovens getrieben. Und Thyssen blieb erspart, daß sich an der Ruhr ein Stahlkonzern mit annähernd gleicher Schlagkraft etablierte.

Vorwürfe müssen sich freilich damals wie heute nicht in erster Linie gegen Thyssen, sondern gegen die untreuen Hoesch-Partner richten, die die Braut mit der rechten Hand streicheln und gleichzeitig mit der linken an einer fremden Dame herumfingern. Die Vertrauensbasis, die für Ruhrstahl so unerläßlich ist, wurde durch den Alleingang von Krupp zutiefst erschüttert.

Hoesch blieb aber kaum eine andere Wahl, als die Ruhrstahl-Ehe dennoch zu wagen. Geld aus Bonn gibt es nur für „unternehmensübergreifende“ Lösungen – ein Alleingang verbietet sich schon deshalb. Es gehört jedoch wenig Phantasie. zu der Vorhersage, daß es Ruhrstahl nun schwerer haben wird als Bei der ursprünglichen Konzeption. Zwar blieben dem Unternehmen statt des eigenen Edelstahls eine fünfzigprozentige Beteiligung an der mit Thyssen zu gründenden Tochter, aus seinem Finanzstrom müßte es diesen Bereich jedoch ausklammern. Und der Stahlstandort Dortmund müßte mehr denn je um sein Überleben kämpfen.