Heinz Volland ist Vorsitzender des Bundeswehrverbandes

ZEIT: Ihr Bundesvorstand glaubt, mit der Bereitstellung von weiteren 280 Millionen Mark im Verteidigungsetat könne „die Motivation der Soldaten und die Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften verbessert“ werden. Wie stellen Sie sich das vor?

Volland: Wir haben zur Zeit ein Fehl von 25 000 länger dienenden Soldaten, trotz der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Wir müssen die Streitkräfte attraktiver machen. Das gilt vor allem für die Soldaten auf Zeit, die keinen sicheren Arbeitsplatz haben. Von den 495 000 Soldaten in der Bundeswehr haben nur die 60 000 Berufssoldaten einen sicheren Arbeitsplatz. Die anderen fast 200 000 Soldaten auf Zeit nur für die Dauer ihrer Verpflichtung.

ZEIT: Sie genießen danach aber zu einem großen Teil Berufsförderungsmaßnahmen.

Volland: Die Berufsförderungsmaßnahmen müssen verbessert werden: bessere Beratung, bessere Koordination zwischen Truppe, Berufsförderungsdienst und Wirtschaft, und vor allen Dingen auch einen besseren Übergang in den öffentlichen Dienst.

Der zweite Punkt ist die Bezahlung. Die Dotierung eines Gruppenführers, eines Unteroffiziers und Stabsunteroffiziers, beträgt heute nur zwischen 1400 und 1500 Mark netto bei hoher Verantwortung.

Drittens: Zur Verbesserung der Attraktivität ist eine klare Dienstzeitregelung notwendig, wie sie alle anderen Soldaten in der Nato haben. Unsere Soldaten machen 60 und mehr Stunden in der Woche Dienst und bekommen zum Ausgleich ganze 90 Mark monatlich, die auch noch versteuert werden müssen. Aber noch nicht einmal alle Betroffenen bekommen das Geld, weil im Haushalt nur 150 Millionen eingesetzt sind. Vierter Punkt: die Verpflichtungsprämie sollte wiedereingeführt werden. Schließlich bedarf es besserer Fürsorge für die Familie. Pro Jahr sind 120 000 Möbelwagen auf der Straße.