Gelegentlich flüchtet sich Klaus von Dohnanyi in Galgenhumor – besser: GALgenhumor. Er bedürfe schon „einer eigenen Art von Nerven“, so bekannte er freimütig, um unter diesen mißlichen Umständen Hamburger Bürgermeister zu sein. Freilich läßt er offen, was ihn mehr strapaziert: Die Gespräche mit der „Grünen Alternativen Liste“ (GAL) oder der stete Zwang, sich dafür zu rechtfertigen.

Den einen geht er nicht weit genug, den anderen grundsätzlich zu weit. „Schluß mit den Geckerles“, forderte Hans-Ulrich Klose, dessen dramatischer Rücktritt Dohnanyi vor anderthalb Jahren an die Elbe verschlug, und verlangte den Aufbruch zu anderen Ufern. Klose sieht das einfach: Macht die SPD erst einmal mit der GAL ganz andere Politik, gibt es auch keine Probleme mehr. Solchen Wandel durch Annäherung fürchtet Helmut Schmidt, der die Hamburger Gespräche am nahen Brahmsee verfolgte: Kann man, darf man überhaupt, so gab der Kanzler zu bedenken, ernsthaft mit jenen über Recht und Gesetz reden, die sich hartnäckig darüber hinwegsetzen?

Dohnanyi läßt sich vorerst nicht irritieren. Er weicht dem Druck von links und rechts, von innen und außen nicht aus. Er tut auch nicht so, als sei er fest entschlossen, sich mit der GAL einzulassen. Aber er versteht sich selbstbewußt als Meister der schwierigen Situation, der seine Pflicht hat – nicht, weil er dazu verdammt wäre, sondern aus freier Einsicht in die Notwendigkeit.

Heiter und fatalistisch zugleich wird Dohnanyi weiter mit der GAL verhandeln. Denn zu gewinnen bleibt ihm nicht viel: Einigen sich SPD und GAL am Ende tatsächlich auf Zusammenarbeit von Fall zu Fall, dann brechen die berüchtigten Hamburger SPD-Fraktionskämpfe wieder aus; scheitert Dohnanyis geduldiges Bemühen, bleiben nur Neuwahlen, die, so sieht es heute aus, die SPD endgültig aus der Macht kippen wird.

Auf das drohende Ende sehend, mag sich Dohnanyi, der Freund melancholischer Lyrik, mit Hans Magnus Enzensbergers „Sisyphos“ trösten: „Was du tust, ist aussichtslos. Gut. / Aber finde dich damit ab / Mann mit dem Stein. Niemand dankt dir.“ Gerhard Spörl