Selten lagen Schmerz und Freude an der Börse so dicht beieinander wie in den zurückliegenden beiden Wochen. Am 17. August gab es den schwärzesten Börsentag seit vielen Jahren. Eine Woche später waren die tiefen Kurseinbrüche schon wieder ausgeglichen.

Die Wende kaum aus den USA. Präsident Reagan setzte seine Steuererhöhungspläne durch und verringerte damit das voraussichtliche Haushaltsdefizit. Das bedeutet weniger Kapitalbedarf der öffentlichen Hand und damit Unterstützung der eingeleiteten Politik niedriger Zinsen. Da außerdem die Zinspropheten an der Wall Street nun plötzlich an den Erfolg der amtlichen Zinssenkungsbemühungen glauben, kam es sowohl bei den amerikanischen Aktien als auch bei den Bonds zu ungewöhnlichen Hausse-Bewegungen.

Der Funke sprang sofort auf die deutschen Börsen über. Zu den gerade erst erreichten „Ausverkaufskursen“ war niemand mehr bereit, Aktien zur Verfügung zu stellen. Auch die Ausländer stoppten ihre Abgaben. Rückläufe waren nur zu sprunghaft steigenden Notierungen möglich.

Unterstützt wurde die Kurserholung der Aktien durch nunmehr auch sinkende Zinsen in der Bundesrepublik. Da sich der Dollar nicht mehr weiter befestigte, gewann die Bundesbank Spielraum für eigene zinspolitische Maßnahmen. Auf dem Rentenmarkt normalisierte sich das Zinsgefüge. Langfristig ausgeliehene Gelder verzinsen sich jetzt besser als sogenannte Kurzläufer. Die 8,75prozentige neue Bundesanleihe bringt bei einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Ausgabekurs von 99,75 Prozent nur noch eine Rendite von 8,79 Prozent. K. W.