Hans Rühle/Hans Joachim Veen/Walter F. Hahn (Hrsg.): „Der „Neo-Konservativismus in den Vereinigten Staaten und seine Auswirkungen auf die Atlantische Allianz“.

Können Ideologien importiert werden? Die Linken hatten mit dem grenzüberschreitenden Doktrinen-Verkehr nie Probleme; das zeigt der weltweite Export der franzosischen Aufklärung (zum Teil mit Hilfe napoleonischer Bajonette); das zeigt aber auch der Marsch des Marxismus von Deutschland über Rußland und China in die Dritte Welt. Läßt sich aber auch „rechte“ Theorie multinationalisieren? Genauer und aktueller: Haben Amerikas Neo-Konservative nach ihrem frappierenden Wahlerfolg im November 1980 auch ihren deutschen Brüdern im Geiste ein Erfolgsrezept zu bieten? Diese Frage war der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung im vergangenen Herbst eine mehrtägige Konferenz mit Politikern und Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik und Amerika wert; nun hat sie die Vorträge und Ko-Referate in einem Buch zusammengestellt. Unter den Autoren und Diskutanten befinden sich Richard Allen, Walther Leisler Kiep, Irving Kristol, Norman Podhoretz, Herrmann Lübbe, Kurt Sontheimer und andere. Zusammen ergeben sie ein „Porträt“ des Neo-Konservatimus, das wohl keinen Exportschlager abgibt. Dazu sind die Bedingungen auf beiden Seiten des Atlantiks zu verschieden. Bei den Amerikanern – das ist das neo-konservative Paradox – dominiert Aufbruchstimmung, die sich gegen 40 Jahre Sozialdemokratie à la New Deal richtet. Hierzulande aber sind zu viele Ordnungen beiseite gefegt worden, als daß irgend jemand – ob halb-links oder halb-rechts – allzu kräftig an der bestehenden rütteln möchte. Trotz aller Unvereinbarkeiten liefert das Buch ein nützliches Brevier für die politische Diskussion. Im Wörter-Kampf der Parteien ist „Neo-Konservatismus“ bereits zum Schimpf- und Schlagwort geronnen. Da hilft es, wenn man nachlesen kann, was dieser schillernde Begriff eigentlich enthält (Verlag Ernst Knoth, Melle 1982, 401 S., 8,80 DM). jj