Von Gerhard Seehase

Mark Spitz war der Größte. Damals, bei den Olympischen Sommerspielen von München, gewann er allein sieben Goldmedaillen im Schwimmen. Und jedesmal war’s auch ein Weltrekord. Heute, zehn Jahre danach, hat nicht ein einziger seiner Rekorde noch Bestand. Aber in der Statistik der Olympia-Sieger steht sein Name immer noch ganz oben.

Die Serie seiner Siege begann in München vor zehn Jahren, am 28. August 1972, und endete am 24. September mit dem Gewinn der siebten Goldmedaille. In diesem Zeitraum nahm der Mann aus den USA an 13 Rennen teil, legte dabei 1,8 Wettkampf-Kilometer zurück und gab die meisten Interviews. Und bei den Pressekonferenzen wirkte er so bedeutungsvoll, als gäbe er Audienzen statt Antworten.

Wie bescheiden nimmt sich gegenüber den sieben Goldmedaillen des Mark Spitz die Medaillen-Kette aus, die der erfolgreichste Schwimmer der diesjährigen Weltmeisterschaften von Ekuador, der 18jährige Offenbacher Michael Groß, den Photographen vorführen konnte: zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze. Aber selbst mit seinem zweiten Platz (Silber) über 100-m-Schmetterling (54,26 Sekunden) hätte Michael Groß einen Mark Spitz, der diese Strecke in München in 54,27 Sekunden schwamm, noch geschlagen. Wenn auch nur um einen Handschlag.

Der Weltrekord in dieser Disziplin macht den Leistungsunterschied deutlicher. Er wird, von dem Amerikaner William Paulus gehalten, der die 100-m-Schmetterling am 3. August 1981 in 53,81 Sekunden zurücklegte. Das sind denn schon etwa fünfzig bis sechzig Zentimeter, die Mark Spitz vom heutigen Rekordhalter getrennnt hätten.

Vergleichen wir einmal die meßbaren Erfolge, die 1972> in München zu Medaillen führten, mit den Bestleistungen von 1982, dann gibt es keinen einzigen Schwimmrekord, der heute noch Bestand hätte.

Die 200-m-Schmetterling zum Beispiel gewann Mark Spitz vor zehn Jahren in 2:00,70 Minuten, Hans Fassnacht, damals der beste deutsche Schwimmer, wurde in diesem Endlauf Fünfter in 2 : 04,69 Minuten. Craig Beardsley (USA), der den Weltrekord über diese Distanz hält (1:58,21 Minuten), hätte Mark Spitz damit fast um eine Körperlänge geschlagen.