Von Fritz J. Raddatz

Gottfried Benin nannte Ernst Junkers Literatur "Kitsch". "Was er als Angriff gesehen haben möchte, ist mehr Vorwölbung und Blähung als Front." Thomas Mann zählte ihn zu den "Schindern und Henkern". Adorno seufzte "widerlicher Kerl, träumtmeine Träume". Walter Benjamin taufte ihn "Kriegsingenieur der Herrscherklasse". Hannah Arendt sah in seiner Dichtung "wilde Reinheit" und Siegfried Kracauer einen "Heroismus aus Langerweile".

Von den zeitgenössischen Autoren der deutschen Literatur (die Ernst Jünger nicht zur Kenntnis nahm) bewunderte ihn Alfred Andersch, schätzte ihn Heinrich Böll, widerlegte ihn Heißenbüttel (der Enzensberger einen frühen Jünger-Adepten nannte). Hildesheimer ekelte sich. Ist Ernst Jünger, Jahrgang 1895, letzter lebender Träger des Pour le mérite, vierzehnmal verwundeter Frontoffizier, elitärer Verächter der Weimarer Republik und aristokratischer Gegner des Nationalsozialismus, der "Fall" Richard Wagner der deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts?

Haß und Bewunderung branden nicht erst wieder hoch anläßlich der Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt an Jünger. Das Für und Wider prägte die literarische Nachkriegssituation: Während Figaro oder Le Monde Neuerscheinungen des in Frankreich hochgeschätzten, mit zahllosen Preisen dekorierten Schriftstellers feierten, galt in Deutschland Friedrich Sieburgs Satz: "Der Fußtritt gegen Jünger, der öffnet Türen." Die Fehde um den Apothekerssohn, Fremdenlegionär und Kriegsfreiwilligen aber begann früh – sogleich nach seinen im Selbstverlag publizierten Büchern aus dem Ersten Weltkrieg.