Anmerkungen zu einer Ausstellung über Johann Wolfgang Goethe, der am 28. August 1749 geboren wurde

Von Ursula Voß

Goethe, sagt der Besucher und erschrickt. Ein Ozean. Von den Wellen herangespülte Gegenstände unterschiedlicher Art; Relikte, Souvenirs, der Nachwelt aufbereitet, hinter Glas und Rahmen gepreßt, manches nur flüchtiges Antiquitäten-Interesse weckend, wäre es nicht mit dem Dichternamen verbunden. Briefe, Landschaftsansichten, Porträts, Bücher, Kur-Listen, Medaillons, Karikaturen, Albumverse, Miniaturen; Gläsernes, Porzellanenes, immer austauschbar, Karlsbader Goldrandteller gegen Marienbader Becher; das alles in zwanglosem Nebeneinander, seinem einstigen Ordnungsgefüge entrissen und zu neuem Begriff verklammert; Reisen über fast vier Jahrzehnte bieten den Anlaß. Badeaufenthalte des Weimar-Flüchtigen, Kränkelnden, der von den Wassern Heilung erhoffte und in der Ferne Erneuerung fand; der sich die lyrische Muse zur Reisebegleiterin erkor und dabei Amor nicht abwinkte, wenn es auch nicht der „echte, nackete“ vom Tiber war, „denn alles ist nichts wenn das Eine fehlt“. Sentimental journeys, in Szene gesetzt für Goethe-Touristen, Friedenthal-Gegner, Ortega-Anhänger, Lotte-Liebhaber, Staiger-Adepten, Goethe-für-alle-Verächter, Snobs und Skeptiker: was wiegt der ganze Plunder gegen ein einziges Gedicht, „Gesang der Geister über den Wassern“, „Wanderers Sturmlied“,

... und ich schwebe Über Wasser, über Erde, Göttergleich.

Wasser war Goethes ureigenstes Element; strömt in seiner Lyrik als reiner Strahl, schäumt anmutig und stufenweise dem Abgrund entgegen; trägt Wahlverwandte bei mondnächtlicher Kahnfahrt dem verhängnisvollen Ende zu. Römische Wasser stürzen Glut – von Brunnen in den Elegien kein Wort, nur Cythere lockt marmorfeucht. Unter Fontänen erscheint Hatem, die Allspielende, Suleika. Im „gestaltlosen Deutschland* floß kalt die Ilm; der Neuweimaraner sprang auch im

Amourös überhauchter Müßiggang

November hinein, langhaarig triefender Bürgerschreck. Hier vermutlich holte er sich seinen Rheumatismus. Balneotherapie pries die Wirkung der mineralhaltigen warmen Heil- oder Wildwässer und Trinkkuren, wie sie Goethes Arzt und Freund Hufeland rühmte; seinem Traktat „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ stellte er ein Egmont-Wort voran: