Max Grundig, Eigentümer des größten deutschen Unternehmens in der Unterhaltungselektronik, ist „nicht gewillt, die Hände in den Schoß zu legen und zuzusehen, wie mein Lebenswerk ... in Frage gestellt wird.“

In Gefahr schwebt sein Konzern, gab Grundig jetzt erstmals zu, durch die Konkurrenz aus Fernost, denn diese bietet „ihre Erzeugnisse in der Regel zu Preisen an, mit denen wir Europäer auf Grund unserer Löhne und Gehälter und den darin eingebundenen und unsere Kräfte bereits überschreitenden Leistungen für das Netz der sozialen Sicherheit nicht mehr konkurrieren können“.

Nicht Dumping wirft Grundig den Fernost-Firmen vor, sondern nur, daß sie ihre günstigere Kostenstruktur ausnutzen. Doch schon das hält der Branchenpatriarch für einen Mißbrauch der freien Marktwirtschaft, gegen den er Bonn und Brüssel mobilisieren will. –

Da er Zollbarrieren, einseitige Importbeschränkungen und andere „Zwangsmaßnahmen gegen den internationalen Handel“ ablehnt, hofft er darauf, daß Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff die „Japan-AG“ überredet, ihre deutschen Preise um einige hundert Mark pro Gerät heraufzusetzen, damit die Europäer einschließlich Grundig wieder konkurrenzfähig werden und Gewinne machen – von Japans Gnaden.

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Noch nicht ganz auf der Linie seines Brötchengebers Max Grandig ist der neue Spitzenmanager und Generalbevollmächtigte der Max-Grundig-Stiftung, Horst Rosenbaum. Der ehemalige ITT-Manager, seit Juli im Amt, hielt auf der Düsseldorfer Branchenmesse „hifi-video“ zweifellos die lautstärkste und flammendste Rede.

Trotz des Hilferufes seines Chefs an die Politiker verlangte Rosenbaum, „daß wir als Europäer unsere Expansion und damit unsere Überlebenschancen auf die innovative und zukunftsorientierte Arbeit unserer Ingenieure und Betriebswirte abstützen müssen und nicht auf die Forderung nach Protektionismus oder nach mehr staatlicher Steuerung“