Von Werner Klose

Die Dame, über die man spricht, ist keine mehr. Gilt diese Erfahrung altväterlicher Kavaliere auch für Schulen, dann sind die Realschulen damenhaft. Trotz aller stürmischen Bildungsdiskussionen blieben sie im Windschatten des aufgeregten Geredes.

Dabei waren sie meistens mitbetroffen. Ging es um die Dauer der Grundschule, um die Einrichtung von Orientierungs- und Förderstufen, drohte ihnen der Verlust der beiden Eingangsjahre. Wo die Gesamtschule zur Regelschule wurde, mußte die Realschule in sie integriert werden, also ganz verschwinden. Es gibt sie nicht mehr oder kaum noch in Berlin, Bremen, Hamburg und Hessen. Aber unabhängig von der Bildungsideologie der Kultusminister blieb sie den meisten Flächenländern unverzichtbar. Ja, sie profitierte sogar vom Gesamtschulstreit. Denn je energischer ein Kultusminister die Gesamtschule ablehnte, desto intensiver förderte er die Mittelschulen als Drehscheiben für bessere Bildungsmöglichkeiten und gerechtere Chancen.

Die Realschule erfüllt auch heute noch dort am besten ihre alte Aufgabe der mittleren Schule, wo sie auf dem Lande, in kleinen oder mittelgroßen Städten arbeitet. Schleswig-Holstein mit sowohl dänischer als auch preußisch-deutscher Realschultradition ist dafür ein gutes Beispiel.

Wo liegt Hennstedt? Der Leiter des Seminars für Realschulen in Heide muß darüber nicht nachdenken. Er war Lehrer in Tellingstedt, er kennt zwischen Rendsburg und St. Peter-Ording, zwischen Kropp bei Schleswig und Brunsbüttel am Nordostsee-Kanal die 25 und mehr Realschulen, an denen seine jungen Lehrer ausgebildet werden.

Da sich die Ausbildungsschulen über die Grenzen der Landkreise Dithmarschen und Nordfriesland hinaus verteilen, läuft hier nichts ohne Auto. Wer von den jungen Lehrern keinen Wagen hat, muß ihn sich zusammenpumpen, weil er sonst zwischen Wohnort, Ausbildungsschulen und Seminar nicht pendeln kann. In der Examensphase sitzt auch der Seminarleiter mehr im Wagen als an seinem Schreibtisch.

Nach Helmstedt also. Ein schöner Morgen im Mai. Leichter Wind löst die Nebelschwaden auf, die Sonne beleuchtet viele Nuancen von Grün. Der Marsch folgen düstere Moorflächen. Nach Helmstedt hin mischen sich Marschebene und die hügelige Geest mit ihren leichten Böden, wechseln Weiden und Äcker, Waldstücke und Moorwiesen. Wer sich hier eingesehen hat, entdeckt die Schönheit einer naturnahen Kulturlandschaft.