Von Marion Gräfin Dönhoff

Cecil Rhodes, der zu Anfang unseres Jahrhunderts verstorbene englische Kolonialpolitiker, stellte einst fest: "Wir sind das überlegenste Volk. Je mehr von der Welt uns gehört, um so besser für die menschliche Rasse. Man kann sich in unseren Tagen das Lebensgefühl, das in einer solchen Feststellung zum Ausdruck kommt, überhaupt nicht mehr vorstellen: diese Selbstgewißheit, dieses Unangefochtensein, diese Abwesenheit jeglichen Zweifels. Und dann, welch unerschütterlicher Glaube an die unbegrenzten Möglichkeiten des Fortschritts.

Die Ernüchterung, die nach zwei Weltkriegen eingetreten ist, und die tiefe Sorge, die seit dem Hereinbrechen des Atomzeitalters viele erfüllt, hat niemand so visionär gespürt und so einprägsam formuliert wie ein anderer englischer Politiker; der ehemalige Premierminister Winston Churchill.

"Es könnte sein", so sagte er, "daß es die Steinzeit ist, die auf den leuchtenden Schwingen der Wissenschaft zurückkehrt, und daß das, was heute als unermeßlicher Segen über die Menschheit kommt, deren totale Zerstörung herbeiführt." – "Beware, I say, time may be short", fügte der große Staatsmann hinzu: "Hütet euch, sage ich, die Zeit könnte knapp werden."

Welch gewaltige Spanne zwischen diesen beiden Äußerungen: Sie markieren den Untergang der alten Welt und das Heraufdämmern einer neuen. Als Churchill diese prophetischen Worte sprach, war wenig mehr als die erste Hälfte unseres Jahrhunderts durch die Sanduhr der Geschichte gelaufen. Inzwischen aber nähern wir uns langsam dessen Ende. Churchills Vision – damals eher als exzentrischer Kassandra-Ruf vernommen – wird heute von den meisten Menschen als zutreffende Beschreibung der Bedrohung gewertet.

Es sind nicht nur die Bilder der Zerstörung Beiruts, der iranisch-irakische Krieg, der das Feuer an die Peripherie des hochexplosiven Persischen Golfs trägt, oder die Nachrichten über Afghanistan, es sind vor allem die riesigen Rüstungsausgaben der Supermächte, die die Völker der Welt aus ihrer Ruhe aufschrecken.

Moskau hat in den letzten zehn Jahren eine Aufrüstung vollzogen, deren Ausmaß niemand im Westen für möglich gehalten hätte. In Washington haben in der vergangenen Woche Kongreß und Senat am gleichen Tag die Verteidigungsausgaben für das am 1. Oktober beginnende Jahr um rund 30 Prozent auf den höchsten Stand aller Zeiten heraufgesetzt: 178 Milliarden Dollar. Bis 1986 soll das Budget auf 355 Milliarden Dollar ansteigen. Im Jahr 1981 machten die Verteidigungsausgaben sechs Prozent des Sozialprodukts aus, 1986 werden es zehn Prozent sein, während die entsprechenden Zahlen für Japan ein Prozent, für die Bundesrepublik drei Prozent betragen.