Nach dem Abzug der PLO – eine Bilanz von elf Wochen Krieg im Libanon

Von Andreas Kohlschütter

Beirut, im August

I.

Bann, das war für uns die Freiheit. Wir machen Photos, um uns an diese Zeit zu erinnern.“ Ich traf die vier palästinensischen Guerilla-Kämpfer in den Wohnblockruinen von Fachani, unweit der zertrümmerten PLO-Hauptquartiere. Ihre grünen Tarnanzüge waren zerschlissen und dreckig, an den um die Schultern geschlungenen Kalaschnikow-Gewehren klebte rötliche Erde. Sie knipsten einander, jeder postierte sich hinter einer zur Schau gestellten, nicht explodierten Riesenbombe made in USA.

Der Auszug der Fedajin aus dem von den Israelis eingekesselten West-Beirut steht unmittelbar bevor. Überall wird gepackt. Auf Lastwagen stapeln sich Berge von Büromaterial und Möbelstücken der verschiedenen PLO-Organisationen. Von verkohlten Balkonen werden Aktenbündel nach unten geworfen und dort verbrannt. In der Asche liegen die Überreste eines libanesischen, eines bahrainischen und eines ägyptischen Passes.

Durch die tristen Trümmerstraßen mit ihren kraftlos herunterhängenden, chaotisch verknoteten Stromkabeln ziehen ausgezehrte Palästinenser-Soldaten. Vor den leergebombten Mietshäusern tragen sie ihr wenig Hab und Gut für den Abtransport zusammen. Bei den libanesischen Kofferhändlern am Maazra-Boulevard herrscht wieder einmal profitabler Hochbetrieb.