Leere Kassen sind die Stunde freiheitlicher Reformen" – wer mag das bloß formuliert haben?

Dem selben Autor ist der Satz eingefallen: "Es ist unsere Aufgabe, ständig die Kraft der Erneuerung und der Innovation zu sein, die Kraft, die Tabus überwindet und reale, nicht utopische Lösungsmöglichkeiten anbietet." Oder auch: "Liberalität, das bedeutet Veränderung, Schritt für Schritt und mit Augenmaß, durch die freiheitliche Entfaltung der Bürger."

Das kann kein Ghostwriter, das muß Hans-Dietrich Genscher schon selber geschrieben haben.

CDU und FDP in Bonn scheinen derzeit rund um die Uhr damit beschäftigt zu sein zu, überlegen, wie und wann sie die Regierung oder den Partner wechseln könnten. Es fällt schwer, die Kommentare aus der Union zum Haushalt ’83 anders zu deuten; und noch schwerer fällt es, Graf Lambsdorff anders zu interpretieren, der für die Wirtschaftspolitik verantwortlich ist, aber jetzt so düster über die Zukunft spricht, als wäre die ganze ökonomische Entwicklung eine Erfindung der Genossen.

Zur Zeit können sich offenkundig auch nicht mehr zwei führende Politiker der FDP treffen, ohne hinterher eine Erklärung darüber abzugeben, für wie abgefeimt und hinterlistig sie die SPD wegen ihrer Gespräche in Hamburg mit den Grünen halten – und überhaupt. Im Wahlkampf, von dem bereits alles geprägt ist, werden sie dann wieder das "Gespräch mit der Jugend" suchen und den Umweltschutz anpreisen, um damit um die Stimmen der Jungen zu werben.

Kurz: Ein bißchen seriöser und sachlicher würde man sich die Bonner Politik derzeit schon dringend wünschen.

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