Es gibt Leute, die wissen um die Hinterfragung von Anliegen, und diesen Leuten gegenüber ist Mißtrauen diesen bracht. Wollen die Hinterfragen zum Ausdruck bringen, nur ihre Fragen seien nicht vordergründig? Und ist das Nachbar-, grundstück des Anliegers wirklich geeignet, die Fremdwörter „Thema“ und „Interesse“ zu ersetzen? Manchmal steht „Anliegen“ auch für die schlichten deutschen Wörter „Bitte“ oder „Sorge“.

Die Evangelischen Akademien haben, wenn ich das richtig sehe, angefangen damit, ihre zahlreichen Anliegen zu hinterfragen. Es sollte ihnen vergeben sein, wenn sie nicht gewußt hatten, was sie tun. Aber unglückseligerweise wissen sie darum. Sie verschmähen die Sprache der Bibel so sehr wie die des Sokrates, dessen klassischer Ausspruch auf evangelisch-akademisch heißen müßte: „Ich weiß darum, daß ich um nichts weiß.“

Wissen, verlangt, wo es wirklich Wissen ist, nach einem direkt, also im Akkusativ (oder in einem Akkusativ-Satz „daß...“) genannten Objekt. Ich weiß etwas, oder ich weiß es nicht. Nun ist durchaus einzusehen, daß zwischen diesen strengen Kategorien des Nichts-Wissens und des Alles-Wissens unser unzulänglich Teil-Wissen nach einem angemessenen Teildruck suchte.

Will „Wissen um“ also vielleicht andeuten, daß wir nichts vollkommen wissen könnte, daß all unser Wissen Stückwerk ist? So wie es der Bremer Akademiker meinte, der mir schrieb: „Allgemeinbildung beinhaltet allenfalls Wissen, ‚um‘“?

Bescheidenheit jedoch hat längst die ihr angemessenen Ausdrucksformen gefunden. Medizinische Forscher wissen, daß sie den Krebs noch nicht heilen können; aber sie wissen etwas von den oder über – die Möglichkeiten, Krebs zu heilen. „Ich weiß ein bißchen davon“, „ich weiß einiges darüber“ – das sind die Ausdrucksformen der informierten Bescheidenheit.

Bei Ärzten, Physikern, Juristen gilt das „Wissen um“ daher wenig. Es blüht in den Geisteswissenschaften und auf ihrem populären Abklatsch. Dort jedoch soll „wissen um“ keineswegs ausdrücken, daß die Wissenden nur zur Umgebung dessen, was wirklich in Frage steht, das eine oder andere sagen könnten, daß sie nur drumherum etwas wüßten. Ganz im Gegenteil: Dieses „Wissen um“ zielt direkt auf das Numinose, auf die ewigen Geheimnisse,

Und dort, aber auch nur dort, hat es seine Berechtigung. Wenn einer „um Gott weiß“, dann soll uns der sprachliche Ausdruck nicht daran hindern, ihm das abzunehmen. Weiß einer jedoch „um die Ost-West-Spannungen“ oder „um die Arbeitslosigkeit“, dann handelt es sich um „dieses verschwimmende, unklare, aufgeblasene, scheinbar überlegene, in Wirklichkeit aber nichtige und auf Täuschung angelegte Wissen“, das schon der Philologe Oskar Jancke aus guten Gründen verworfen hat.

Leo