Bundesinnenminister Gerhart Baum hat der Schauspielerin Elisabeth Bergner zu ihrem 85. Geburtstag am Sonntag gratuliert. Baum schrieb, Frau Bergner könne voller Stolz und Genugtuung auf ein reich erfülltes Film- und Theaterleben zurückblicken, das ihr alle nur denkbaren Erfolge beschert habe. Zahlreiche Auszeichnungen belegten nicht nur die einzigartige Darstellerkunst von Frau Bergner, sondern auch ihre künstlerische Ausstrahlung und ihre Persönlichkeit als Schauspielerin und Mensch zugleich.

dpa-Meldung vom 21. August 1982

Die Schauspielerin Elisabeth Bergner hat Bundesinnenminister Gerhart Baum für sein Geburtstagstelegramm herzlich gedankt. Frau Bergner schrieb, Herr Baum könne voller Stolz und Genugtuung auf ein reich erfülltes Partei- und Ministerleben zurückblicken, das ihm alle nur denkbaren Erfolge beschert habe. Zahlreiche Auszeichnungen belegten nicht nur die einzigartige Darstellerkunst von Herrn Baum, sondern auch seine politische Ausstrahlung und seine Persönlichkeit als Politiker und Mensch zugleich.

Telegramm, das durch ein Versehen der Deutschen Bundespost in der ZEIT-Redaktion eingetroffen ist.

Zwerenz und Kunze gegen VS

Seltsam bleibt es schon: zwei Schriftsteller, beide aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen, Gerhard Zwerenz und Reiner Kunze, verlassen den Schriftstellerverband (VS) in der IG Druck und Papier, ohne je ihre Kritik dem Vorstand oder ihren Kollegen auf einer Sitzung mitgeteilt, ohne je den Versuch gemacht zu haben, für ihre Meinung zu werben, geschweige denn zu kämpfen. Der Elfenbeintürmer Kunze flüstert etwas davon, er sei „kein Autor, der sich fähig fühlte, innerhalb des Verbandes politisch tätig zu werden.“ Weshalb geht er dann in einen politischen Literatenverein? Auch Zwerenz, der gern auf dem Markt agiert und den Mund voll nimmt, wird plötzlich von Gefühlen der Unfähigkeit übermannt: „Ich bin habituell unfähig, fortgesetzt in Verbandsverlautbarungen dummes, verlogenes Lobrednergeschwätz über literarische Schreibtischtäter der DDR lesen zu müssen.“ Wieso muß er es denn lesen? Weshalb hat sich Beitragszahler Zwerenz nicht schon längst gegen verlogenes Geschwätz gewehrt, auf einer der Versammlungen des Verbandes oder, wenn es denn sein muß, auch öffentlich? Aber deutsche Autoren spielen gern Märtyrer. Deshalb treten sie aus einem Verein aus, dem sie lange angehört haben, und lassen den Vorstand und die anderen Vereinsmeier durch Erklärungen, exklusiv an Agenturen oder Zeitungen gegeben, wissen, was ihnen in einem demokratisch gewählten Literaten-Verband nicht paßt (wobei Kunze fast ein Jahr braucht, um sich über Hofberichte in der Verbandspostille Die Feder bis zum Austritt zu erregen). Sehr demokratisch ist das nicht. Und schlimm ist es deshalb, weil beide Autoren wohl Recht haben mit ihrer Kritik vor allem am Vorsitzenden Bernt Engelmann: Der versteht Entspannungs- und Friedenspolitik offenbar als Leugnung des Wunsches nach Wiedervereinigung, wie er in beiden Teilen Deutschlands durchaus noch lebendig ist, und als opportunistisches Verhalten gegenüber den Funktionären des Schriftstellerverbandes der DDR, deren „Sprachregelungen“ sogar übernommen werden.

„Café Größenwahn“