Von Dietrich Strothmann

Wie das die lieben Kollegen wohl gemeint haben? Als Hanns Werner Schwarze nach 220 Sendungen seines Kennzeichen D den Moderatoren-Sessel seinem Wunschnachfolger Joachim Jauer freimachte, überreichten ihm seine Mitarbeiter eine Nachbildung der berühmten Punch-Karikatur von 1890 (der entlassene Lotse Bismarck verläßt, unter kaum unterdrücktem Hohnlachen des Kaisers Wilhelm II., das Schiff): Schwarze als gedemütigter Kanzler, Jauer ein grinsender Monarch.

Aber so war es ja wohl nicht, so ist es nicht: Hanns Werner Schwarze, der gerade 58jährige, bleibt als Leiter des Berliner ZDF-Studios an Bord. (Er hat seit langem Pläne für längere Filme, die er demnächst auf die Mattscheibe bringen will.) Und Joachim Jauer, dessen Wahl zum Nachfolger er zur Vorbedingung seines Abschieds als Moderator gemacht hatte, ist keine hohnlachende Majestät. Die gerahmte Anspielung also, die seit einiger Zeit an Schwarzes Burgward hängt, als wär’s ein Stück von ihm, ist ein Mißgriff. Sie trifft nicht ins Schwarze.

Wie auch die rote Bahnhofsvorstehermütze oder der rote Boxhandschuh, die ebenfalls sein Dienstzimmer in Berlin-Tempelhof zieren, keine Markenzeichen des Kennzeichen-Vaters sind: So rot ist er nicht (auch wenn ihn sein institutioneller Intimfeind Gerhard Löwenthal als "Herr Rote", als "Rotkehlchen" und als Chef eines "roten Bunkers" zu titulieren beliebte). So schlagwütig ist er auch nicht, wohl auch nicht so boss-haft.

Es stimmt ja auch nicht, daß Hanns Werner Schwarze "den Kanal voll" hat, sich nicht mehr "alle vierzehn Tage verrückt" machen lassen will, kurz vor der geplanten Programmschema-Reform (die nur noch ein Magazin im ZDF vorsieht) Leine zieht. Der Professor, der er nebenbei auch noch ist (am FU-Institut für Publizistik), hat ja nicht das Handtuch geworfen. Er bleibt, als Studio-Kapitän, Filmemacher und Buchautor (vier Bücher hat er bisher geschrieben, über das fünfte zum Thema "Die anderen Deutschen" macht er sich zur Zeit Gedanken), an Deck – in der geteilten Stadt, am "neuralgischsten Punkt Deutschlands", wie Hanns Werner Schwarze es selber nennt.

Immer noch, immer nur in Berlin. Dort ist er, Sohn eines Handwerkers, geboren und aufgewachsen; dort hat er sich, als Rais-Nachrichtenchef, seine ersten Sporen verdient; dorthin kehrte er, nachdem er andernorts Report ans Fernsehlicht gebracht hatte, vor zwanzig Jahren zurück, baute das ZDF-Studio auf, begann 1966 mit der ersten "gesamtdeutschen" Sendung Drüben die 1971 in das "deutsch-deutsche" Magazin Kennzeichen D überging.