Friedensmärsche – mein Gott, das ist halt in Mode, das ist in. Ich halte mich raus. Ich habe nie in meinem Leben einem Verein angehört – außer dem Salzburger Schachclub "Café Mozart". Auslöser dieser Friedensmärsche sind für mich die Deutschen. Vor 40 Jahren schrien sie "Hoch der Krieg!", heute schreien sie "Hoch der Friede!" Gut ist nur, daß sie in den letzten 40 Jahren in der Weltpolitik nichts gemacht haben. Trauen darf man ihnen jedoch nie. Schreien und Marschieren ist in Deutschland die Hauptsache. Derzeit haben sie halt einen anderen Aufhänger.

Der österreichische Pianist Friedrich Gulda im "medientelegramm" der Edition Montana

Christine Kaufmann gegen "Quick"

Wenn die Stars jung sind, werden sie vergöttert: Objekte des Neides. Wenn die Stars altern, werden sie verhöhnt: Objekte der Schadenfreude. Meist spielen die Idole selber mit beim traurigen Spiel: Sie hassen den öffentlichen Rummel und brauchen ihn doch wie eine Droge. So werden sie ständig zu Komplizen jener Leute, die das Geschäft der Anbetung und der Menschenvernichtung professionell betreiben – der Journalisten. Selten, daß sich einer wirklich wehrt. Die Schauspielerin Christine Kaufmann hat es jetzt in einem offenen Brief an die Illustrierte Quick getan. Der Anlaß: ein schmierig-flüchtiger "Bericht" des Blattes über ihren früheren Ehemann Tony Curtis (Quick: "zum Wrack verkommen"), in dem auch sie selber ordinär attackiert wird – als eine Frau, die, weil Curtis’ Alimente für die Kinder ausbleiben, zu jedem Geschäft bereit sei: die eigene Tochter nackt für den Playboy zu photographieren oder, Gipfel der Verworfenheit, in Bonn Theater zu spielen. Kein Wort darüber, daß die "Photos" überaus harmlos sind, auch keines, daß Christine Kaufmann seit Jahren eine ernsthafte Schauspielerin ist. Und natürlich kein Wort, das den "Verfall" des Tony Curtis erklären oder gar mitfühlend beschreiben würde – wenn man ihn denn schon beschreiben muß. Christine Kaufmanns Brief an die deutsche Illustrierte Quick:

"Welcher Neid und Groll treibt Sie, solche Photos von Tony Curtis zu veröffentlichen? In China wird man für das erreichte reife Alter verehrt, hier verdammt – und die Verdammung ist es, was es schwer macht zu altern. Sie machen Menschen, die noch leben, zu Leichen, um sie dann, noch lebend, fleddern zu können. Sie schonen dabei Weder alte Menschen noch Kinder (Sarah Biasini)- noch die Leichen von Kindern (David). Die Tiefen der ehemals Schönen und Funkelnden sind Ihre Höhe – der Auflage! Viele können es sich nicht leisten, sich zu wehren, und einige hat die sensationslüsterne Presse in den Tod getrieben. Sie können sich nicht vorstellen, daß eine Frau aus anderen Gründen als der Unfähigkeit, Alimente aus einem Mann herauszuziehen, arbeiten möchte. Theaterspielen – nur aus angeblicher Geldnot! Photos, auf denen man weder Schamhaare noch Brustspitzen sieht, auf denen die Frau nicht als für den Betrachter jederzeit verfügbares Objekt dargestellt wird, werden als "Aktbilder" abgetan. Manch eines Ihrer Titelbilder, auch wenn die Mädchen darauf bekleidet sein mögen, zielt im Gegensatz dazu ganz offen auf eine Reaktion unter der Gürtellinie ab. Sie sind die Inquisitoren des 20. Jahrhunderts. Die mittelalterlichen Inquisitoren projizierten auch ihre schmutzigen Gedanken auf unabhängige Frauen und verbrannten diese Frauen dafür; Auch sie brauchten immer wieder neue Opfer. Die schmutzigen Gedanken in den Köpfen sterben nicht, damals wie heute. Es gibt keine Entwicklung, es fließen statt Blut jetzt Buchstaben."

Berlin-Amsterdam: ein Erfolg

Die vom Goethe-Institut Amsterdam und seiner Leiterin, Kathinka Dittrich, angeregte und (zum Teil mit deutschen oder niederländischen Organisationen gemeinsam) veranstaltete Schau "Berlin-Amsterdam: 1920-1940" ist seit Monaten ein solcher Erfolg, daß Ausstellungen wie die des Goethe-Instituts ("Arthur Lehining in Berlin") oder des Niederländischen Theater Instituts bis zum 31. Oktober verlängert werden müssen. Einen schönen Abschluß bildet die Ausstellung mit Werken des in seiner deutschen Heimat vergessenen, fast unbekannten Malers Otto Herbert Fiedler (1891-1962), die vom 4. 9. bis zum 4. 10. in Nijmegen, anschließend bis zum 31. 10. in Amsterdam gezeigt wird. Als unbekannter Emigrant kam Fiedler 1934 nach Holland, wo er bis zu seinem Tod lebte. Das Stedelijk-Museum ehrte Fiedler nach dem Tode zwar mit einer Retrospektive, aber erst jetzt kann das Lebenswerk überblickt werden. Die Ausstellung zeigt mehr als 200 Arbeiten, die meisten aus dem Nachlaß (75 Gemälde, 60 Gouachen, über 100 Skizzenblätter). Die letzte Initiative dieser seit dem Frühjahr laufenden Veranstaltungsreihe (ZEIT vom 5. März) demonstriert noch einmal, was der weit über das Kulturelle hinausgehende Sinn dieser großen Unternehmung war: Erhellung eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte beider Länder.