Der Bundesbahn und ihrer Reiseabteilung, der DB-Touristik, sind 1982 eine Menge Kunden davongelaufen. Sparangebote und „Rosarote Wochenenden“ sollen jetzt Reisemuffel wieder auf die Schienen locken.

Bahnurlauber reisen nicht mehr so oft, die Geschäfte der DB-Touristik laufen denn auch 1982 nicht mehr so gut wie früher. „Die unsichere Wirtschaftslage und die steigende Arbeitslosigkeit führen zu einem extremen Sparbewußtsein klagten die Bahnreise-Manager bei der Präsentation ihres neuen Programms für 1982/83, die allgemeine Sparwelle treffe die DB-Touristik besonders hart, da sie ausschließlich Kurzurlaub anbiete.

Nach einer Statistik für das laufende Geschäftsjahr sanken die Buchungen von Tagespauschalreisen in Sonderzügen um 22 Prozent, die Nachfrage nach individuellen Kurzreisen (DB-Pauschal) ging im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent zurück. Dabei waren die Buchungsrückgänge bei ausländischen Zielorten stärker als bei inländischen.

Auch Städtetouren waren in diesem Jahr weniger gefragt als 1981, sie erscheinen mit einem Minus von acht Prozent in der Übersicht. Einige Städte – zum Beispiel Avignon, Breslau und Verona – strich man „wegen unbefriedigender Absatzergebnisse“ aus dem Programm für 1982/83.

Unzufrieden ist auch die Zentrale Verkaufsleitung der Bundesbahn. Die Einnahmen aus dem Schienenpersonenverkehr stiegen im ersten Halbjahr 1982 nur um rund drei Prozent, die meisten zielgruppenorientierten Angebote – etwa der Geschäfts- und Dienstreiseverkehr – verkauften sich schlechter als im Vorjahr. Nur Senioren und Jugendliche lassen von der Bahn nicht ab: 2,4 Prozent mehr Senioren- und 19,9 Prozent mehr Junioren-Pässe wurden im ersten Halbjahr 1982 ausgegeben; der absolute Hit ist das Tramper-Monats-Ticket, das gegenüber 1981 stolze 104 Prozent zulegte. Bei der DB-Touristik dagegen werden Sonderfahrkarten für individuelle Tagesausflüge immer beliebter. Schon mehr als drei Millionen Wanderer, 20 Prozent mehr als im Vorjahr, machten sich zwischen Januar und Ende August einen „Schönen Tag“ in der näheren Umgebung ihres Wohnortes. Der Run aufs Wanderticket hat handfeste Gründe: Es kostet durchschnittlich nur 16 Mark und ist daher auch für größere Familien erschwinglich.

Trotz rückläufiger Buchungen wird der Umsatz der DB-Touristik bis Ende 1982 um mehr als 10 Prozent steigen – dank mehrmaliger Preiserhöhungen der Bundesbahn, die sich vom Herbst an auch voll auf die Preise der Touristik-Angebote auswirken werden. Durchschnittlich fünfeinhalb Prozent mehr als in der vergangenen Saison kosten dann die Städtetouren, zum Trost gibt es eine Reihe neuer Programme, zum Beispiel spezielle Kulturreisen nach Salzburg und Wien, eine Fahrt zur Internationalen Gartenbauausstellung 1983 in München oder ein Paris-Sonderprogramm mit einer Bahnfahrt nach Lyon im TGV, dem schnellsten Zug der Welt. 28 Zielorte bietet die DB-Touristik zu Sparpreisen an. Zu bestimmten Zeiten erhält man je nach Unterkunftsart und Reisedauer Ermäßigungen bis zu 20 Prozent.

Für Sparsame hat auch die Zentrale Verkaufsleitung der Bundesbahn ein neues Sonderangebot kreiert, das „Rosarote Wochenende“. An den zwölf Wochenenden zwischen dem 24. September und dem 13. Dezember kann man jeweils von Freitag 21 Uhr bis Montag 12 Uhr zu einem festen Preis mit allen Zügen jede beliebige Strecke zurücklegen. Die IC- und TEE-Zuschläge entfallen, die Platzreservierung ist kostenlos. Die rosigen Preise, zweiter und erster Klasse: Eine Person bezahlt 98 Mark (128 Mark), zwei gemeinsam Reisenden werden 135 Mark (175 Mark) berechnet, Familien mit Kindern bis zu 18 Jahren reisen für insgesamt 150 Mark (200 Mark). Hin- und Rückfahrt müssen jedoch an einem Wochenende erfolgen.

Die Idee mit Rose ist nicht neu, schon früher gab’s bei der Bundesbahn eine Sonderaktion unter dem Motto „Rosa Zeiten“. Daß diese nun als Weekend fröhliche Urständ feiern, liegt nicht nur daran, daß jetzt auch Reisemuffel und Familien zu „Impulskäufen“ angeregt werden sollen. Es gibt vor allem „ungenutzte Platzkapazitäten“ auszulasten, die zum Normaltarif nicht abzusetzen sind. Isolde von Mersi