Als wir Vandel besuchen, stehen die "Phantoms" bereits im rollenden Einsatz gegen sowjetische Fliegerkräfte. Dessen ungeachtet baumelt frisch gewaschene, weiße Unterwäsche vor den Mannscnaftszelten weithin sichtbar an den Wäscheleinen. Feindliche Aufklärer könnten möglicherweise den Flugplatz übersehen – die weithin leuchtenden Dessous schwerlich.

Wie gut sind die "Marines"?

Sind die "Marines" heute noch so gut, wie alle Welt von ihnen glaubt – eine Elite-Truppe par excellence? Vielleicht. In Dänemark gab es allerdings Grund, daran zu zweifeln. Doch könnte es sein, daß der Zweifel auf einem politischen Mißverständnis beruht: Den Europäern sollte eben nur glaubhaft gemacht werden, daß ihre Verbündeten aus Übersee überhaupt und rechtzeitig kommen würden, um ihnen zu helfen. Solche Gewißheit, wenn wir sie denn aus einem Manöver gewinnen können, wäre immerhin beruhigend. Aber sollten die Helfer, wenn sie schon einmal da sind, nicht auch zeigen, wozu sie wirklich imstande sind?

Die Fehlleistungen der "Marines" waren für jeden einigermaßen kundigen Beobachter erkennbar: In den Dünen vor dem Landungsabschnitt hatten sie ein halbes Dutzend Panzer vom Typ M 60 A 1 unter Tarnnetzen versteckt. Sie sollten sowjetische Kräfte darstellen, die die Küste bereits erreicht hatten. Die Kampfwagen sollten aussehen wie bewachsene Sandhügel. Sand auf einem Hügel hängt aber nicht über wie Fels im Gebirge.

Als die Soldaten das Tarnnetz über einem der Panzer anheben, kommt darunter wenig Ansehnliches zum Vorschein: Rost, uralter Schmutz, Farbe über abgeblätterte Farbe gekleistert, die Mündung der Kanone ungeschützt vor dem Flugsand. Ich fragte den Kommandanten nicht nach seiner Rostlaube, sondern ob er den deutschen Leopard II kenne: Gewiß doch, er kenne ihn. Er sei zwar schneller, aber auch zwölf Tonnen leichter als der M 60, also doch wohl ein wenig "fragil". Der Kommandant ist immerhin Captain und Chef einer Panzerkompanie. Entweder ahnt er nichts von moderner Panzer-Entwicklung, oder er stellt sich dumm: Ein einziger Leopard II würde aus guter Ausgangsposition und in voller Fahrt die ganze Kompanie des Captains zusammenschießen.

D-Day dementsprechend: Man konnte ein gutes Schläfchen halten zwischen dem In-Sicht-Kommen der US-Landungsboote und ihrem Eintreffen am Strand. Dort entledigten sie sich gemächlich ihrer Panzer; die schwimmfähigen Transportfahrzeuge luden an ganz anderer Stelle ihre Infanterie aus. Die Panzer mahlten durchs seichte Wasser bis ans Ufer, machten die Klappe auf und entließen die Besatzung zum Frühstück. Lohnt es wirklich, für eine solche Schau 5000 GIs für viele Millionen Dollar über den Atlantik zu karren? Wenn sie schon die Unterstützung der Europäer im Ernstfall üben sollen, dann muß dies konsequent geschehen. Hätten am D-Day tatsächlich, wie angenommen, gepanzerte sowjetische Truppen in den Dünen hinter den Landestellen gelegen, den "Marines" wäre es schwerlich gelungen, auch nur ein Bein auf den Strand zu setzen.

Die Deutschen waren da bei ihrem Heeres-Herbstmanöver "Starke Wehr" immerhin realistischer, sparsamer und zielbewußter. Das 1. Korps unter Generalleutnant Kurt von der Osten, das die diesjährige Herbstübung ausrichtet, hatte seine Truppen im Raum der norddeutschen Tiefebene versammelt. "Blau" stellte mit der 7. Panzerdivision aus Unna, einer niederländischen Panzerinfanterie-Brigade und der Heimatschutzbrigade 52 (Territorialheer) die Verteidiger gegen einen aus nordöstlicher Richtung vorgetragenen Angriff von "Rot", der die Überschreitung des Mittellandkanals und die Einnahme der Städte Braunschweig und Hannover zum Ziel hatte. Den Kern der "Roten" bildete die 11. Panzergrenadierdivision aus Oldenburg mit einer Luftlandebrigade und unterstützt von einer gepanzerten US-Brigade.