Es ist gut, daß inmitten allen parteipolitischen Finassierens doch in einigen wenigen Momenten auch noch Anstand und Honorigkeit sichtbar werden. Alfred Dregger hat am Wahlabend in Hessen vorexerziert, wie ein Politiker eine Niederlage mit Würde einsteckt: ohne Selbstmitleid, ohne Kritik an Parteifreunden, ohne Hame für den Gegner, in Respekt vor dem Wähler. Ein Herr; der Bürger zieht seinen Hut vor ihm.

Holger Börner hatte einen ähnlich eindrucksvollen Auftritt: als er dem geschlagenen hessischen FDP-Vorsitzenden Gries, dem Vollstrecker des Wendemanövers, die Hand schüttelte und ihm für die Zusammenarbeit dankte – ehrenhaft, mannhaft. Gegner sind sie geworden, Feinde nicht.

Auch Helmut Schmidt hat seinem langjährigen Vizekanzler beim Abschiedstermin mit dem Bundespräsidenten den Handschlag nicht verweigert. Aber das war nach einer Rede im Bundestag, die einer öffentlichen Auspeitschung Genschers gleichkam, und vor jener unbesonnenen, mittlerweile zurückgenommenen Bemerkung, daß man die FDP "wegharken" müsse. Zwischen den beiden Männern hat sich ein Graben aufgetan, der sich nicht leicht wird schließen lassen. Schmidts unverhohlen zur Schau getragene Abneigung gegen Genscher hat die SPD über die vierzig Prozent gehievt. Zugleich hat sie freilich eine Verwerfung der politischen Landschaft mitbewirkt, die uns noch zu schaffen machen wird. Th. S.