Die Zinssenkung macht am kurzen und am langen Ende des Marktes Fortschritte. Wunder dürfen allerdings nicht erwartet werden. Das Haupthindernis für eine drastische Zinssenkung kann auch eine neue Bundesregierung nicht rasch abbauen.

Die beiden Sparkassen, die den Abbau der strengen Bundesbankpolitik umgehend dazu benutzten, den Zins für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist von fünf auf viereinhalb Prozent zu senken, dürften unrühmliche Ausnahmen bleiben. Weder bei den anderen Sparkassen noch bei den privaten oder genossenschaftlichen Banken denkt gegenwärtig irgend jemand ernsthaft daran, diesen sogenannten Spareckzins schon jetzt wieder zu senken.

Alle anderen Zinsen sind jedoch nachhaltig ins Rutschen gekommen. Dabei ist in den letzten vier Wochen eine Anomalie korrigiert worden, die seit September 1979 für den Rentenmarkt charakteristisch war: Papiere mit einjähriger Laufzeit brachten höhere Renditen als zehnjährige Rentenpapiere.

Zu solchen Differenzen war es gekommen, weil die Bundesbank im Februar 1981 wegen des stark steigenden Defizits in der deutschen Leistungsbilanz die Zinsen am Geldmarkt drastisch erhöhen mußte. Andernfalls wären Gelder ins Ausland abgewandert, vor allem in die Vereinigten Staaten.

Seit die Bundesbank aber sicher sein konnte, daß die Leistungsbilanz in diesem Jahr wieder ausgeglichen – vielleicht sogar mit einem kleinen Überschuß – abschließen wird, war der Abbau der Hochzinspolitik schrittweise möglich geworden. Der Zentralbankrat hat die Möglichkeiten voll genutzt. Insbesondere bei den kurzfristigen Papieren kam es zu einem deutlichen Zinsrückgang. Seit Ende August ist es auch mit der "verkehrten Welt" vorbei: Inzwischen bringen längerfristige Titel wieder mehr als Kurzläufer.

Die Anomalie ist also beseitigt. Nun fragen sich Unternehmer, potentielle Grundstückskäufer und alle anderen, die sich bisher durch die hohen Zinsen bei der Aufnahme von Krediten haben schrecken lassen: Wie weit geht der Zins nach unten?

Auch in der Vergangenheit gab es Zinssenkungen, die sich als kurzlebig herausgestellt haben, so zum Beispiel im März dieses Jahres. Der Anlaß für die starken Zinssenkungen waren damals die ersten guten Nachrichten über die Entwicklung in der Außenwirtschaft. An sie knüpfte sich die Hoffnung, daß eine ausgeglichene Leistungsbilanz eine starke Mark zur Folge haben würde. Sie würde es erlauben, unabhängig von den amerikanischen Zinsen die deutschen autonom zu senken. Dieser Optimismus war jedoch von kurzer Dauer, als in den Vereinigten Staaten die Zinsen wieder stiegen und der Dollar stärker wurde.