Das erste Gesetz für den Erfolg eines Einzelhändlers ist, so die Londoner Financial Times "die Kundschaft zu kennen und das Sortiment entsprechend der Veränderungen im Verbraucherverhalten zu ändern". Gegen diese Grundregel, schließt das Finanzblatt, habe einer der größten und der wohl bekannteste Einzelhändler der Welt verstoßen: der US-Einzelhandelskonzern Woolworth.

Die New Yorker Firmenzentrale mußte in den letzten Jahren hohe Gewinneinbußen registrieren. Im letzten Geschäftsjahr halbierten sich die Erträge nahezu auf 80 Millionen Dollar. Nicht einmal der Umsatz konnte noch wesentlich gesteigert werden. Die tiefe Rezession, vor allem im Mutterland USA sowie in Großbritannien, machten die Fehler der Vergangenheit jetzt offenkundig.

Im New Yorker Woolworth-Building wurde nun die Konsequenz gezogen: Gesundschrumpfen heißt die Lösung. Die F. W. Woolworth Company, 1879 von Frank Woolworth als "Great 5 Cent Store" gegründet, wird alles abstoßen, was Verluste macht.

Bis Anfang des kommenden Jahres sollen sämtliche 336 Läden der Woolco-Kette, einer vor allem im Südwesten der USA konzentrierten Discount-Tochter, geschlossen werden. 25 000 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Damit wird der Gesamtumsatz des Konzerns, der im vergangenen Jahr in seinen knapp 5800 Läden in den Ländern USA, Kanada, Mexiko, Deutschland und Australien 7,22 Milliarden Dollar betrug, schlagartig um zwei Milliarden Dollar zurückgehen. Das Unternehmen muß 325 Millionen Dollar abschreiben. "Eine sehr schmerzhafte Erfahrung", kommentierte Woolworth-Chef Edward F. Gibbons die Entscheidung.

Gerüchte über die bevorstehende Schließung der Woolco-Warenhäuser kursieren in der Branche seit geraumer Zeit. Anders als die Konkurrenz, Kmart Corp., die über ihre Discount-Warenmärkte zu einem dominanten Faktor im US-Einzelhandel geworden ist, war Woolworth mit Woolco im harten Discount-Geschäft nie sehr erfolgreich. In den letzten Jahren wurde Woolco zu einer Quelle ständig steigender Verluste, die die Vitalität des Gesamtkonzerns beeinträchtigten. Von dem in der ersten Hälfte dieses Jahres erwirtschafteten Gesamtverlust des Konzerns in Höhe von 25 Millionen Dollar entfielen allein 21 Millionen auf die Woolco-Kette.

Eher glück- und erfolglos agierte in den letzten Jahren auch der britische Woolworth-Ableger. Nach nur halbherzigen Versuchen des Londoner Managements, seinen über 1100 Läden neue Attraktivität zu verleihen und damit wieder zu steigenden Gewinnen zu kommen, ergriff nun das New Yorker Management die Initiative. Die britische Tochter, die zu 52,6 Prozent im New Yorker Besitz ist, soll abgestoßen werden.

In der Londoner City bastelt die Merchant Bank Charterhouse Japhet an einem Konsortium, das diesen großen britischen Einzelhändler übernehmen soll. Auf dem Preisschild soll die Summe von 330 Millionen Pfund stehen. Dieser Preis orientiert sich indes mehr an der Ertragsschwäche und den strukturellen Problemen der Woolworth-Kette als an dem Immobilienbesitz in den Einkaufsstraßen vieler britischer Städte. In den Büchern steht der Grundbesitz mit rund einer halben Milliarde Pfund und das weitgehend zu Bewertungen aus dem Jahr 1979.