Autos sind heute anonyme Industrieprodukte, entstanden an diversen Reißbrettern in vielen kleinen Einzelschritten, ausgetüftelt nach Vorgaben und "Lastenheften", über denen zuvor Stäbe von Kaufleuten, Technikern und Verkaufsspezialisten gebrütet haben. Vaterschaften an einzelnen Autos lassen sich für Einzelpersonen heute nur noch in Ausnahmefällen feststellen. In der Frühzeit des Automobilbaus war das anders. Die Männer, die damals "ihre" Autos bauten, wußten, was ihren Namen auf die Straße trug. Da standen die Herren Benz, Daimler, Porsche etc. gerade für ihre Fabrikate. Heute tragen viele Autos zwar noch die Namen ihrer Vater, aber die Menschen, die sie schufen, sind nicht mehr bekannt.

Das gilt in besonderem Maße für eine der interessantesten Figuren aus den Pioniertagen der Mo-Meisterung: für August Horch. Ältere Herrschaften schwärmen noch gerne "vom großen Horch" und meinen damit in der Regel die voluminösen Modelle von 1934 bis 1938, die unter dem Namen des schon betagten Konstrukteurs für den Ruhm der deutschen Auto-Industrie sorgten. Heute ist der Name "Horch" von den Küblern verschwunden, aber immer noch trägt eine der bekanntesten deutschen Automarken seinen Namen: "Audi" ist die lateinische Übersetzung für Horch.

Die Geschichte des August Horch, als Sohn eines Schmiedes 1868 in Winningen an der Mosel geboren, und des Audi-Konzerns sind eng miteinander verweisen, und es ist rechtens, daß sich die heutige VW-Tochter Audi mit diesem Ahnen ziert. Mit Werksunterstützung kam jetzt Horchs Autobiographie (eine wirklich passende Bezeichnung) von 1936 erneut heraus, kommentiert und sachkundig ergänzt von dem Salzburger Rechtshistoriker Arno Buschmann, der die Firmengeschichte weiterschreibt bis in die achtziger Jahre hinein.

Das knapp 300 Seiten starke Buch trägt den sprachlich verwirrenden Titel "Das Auto mein Leben – Von August Horch bis heute", ist nobel aufgemacht und reich bebildert. Es erschien im Seewald Verlag, Stuttgart, und kostet 38 Mark. Wer Informationen aus erster Hand schätzt, geschrieben in einer lebendigen, technisch nicht überfrachteten Sprache, der ist mit diesem Stück Zeitgeschichte vorzüglich bedient. K. V.