Da fällt dem Leser doch das Buch aus der Hand. Wenige Tage vor der Frankfurter Buchmesse, auf der die ganze Branche uns wieder die Ohren vollheulen wird über mangelndes Leser-Interesse und über die "ethische Verpflichtung" des Buchhandels, der es mit "Literatur" und "Geist", auf jeden Fall nicht mit schnödem Mammon zu tun habe, müssen wir im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel lesen: "Literarische Kenntnisse gelten nicht als ‚verkaufsfördernd‘ – deshalb kein Geld."

Im Bericht über ein "Literatur-Seminar" an der Fachschule des Börsenvereins in Seckbach bei Frankfurt heißt es, die jungen Buchhändler, die sich für Literatur und Weiterbildung interessieren, seien "auf ihren eigenen Urlaub und ihren eigenen Geldbeutel angewiesen", weil sie, "bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, keine Förderung ihrer Arbeitgeber erhalten, denen literarischer Erkenntniserwerb nicht als verkaufsfördernd gilt".

Das wird, mit klagendem Unterton, festgestellt. Und kein Protest? Natürlich muß man nicht, ehe man sich (weiter-)bilden will, in anderer Leute Tasche greifen. Aber das Gejammer gerade der Buch-Branche über "die Jugend", die nicht mehr lesen könne und wolle, sollte ein Ende haben, wenn die mit Literatur Handel Treibenden selber die Literatur geringschätzen. R. M.