Hamburg

Das Vertragsverhältnis endet automatisch, ohne daß es einer Kündigung bedarf, mit Erreichen des jeweils geltenden allgemeinen Pensionsalters, das heißt bei Männern zur Zeit mit dem 65., bei Frauen zur Zeit mit dem 60. Lebensjahr."

So steht es in sehr vielen Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen, obgleich der entscheidende Satz möglicherweise rechtswidrig ist: Frauen können, wenn sie wollen, mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. Sie müssen aber wohl nicht.

Aus Unkenntnis darüber lassen sich viele Frauen vorzeitig aus der Firma für immer nach Hause schicken. Besonders hart ist das für diejenigen, denen dann zwei, drei oder eben fünf Jahre fehlen, um die volle Rentensumme zu erhalten. Dazu müssen Arbeitnehmer 15 Jahre erwerbstätig gewesen sein.

Zum erstenmal hat in Hamburg eine Frau gegen diesen Vertragspassus, der wohl auch gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstößt, vor dem Arbeitsgericht geklagt. Ingeborg Fischer ist 59 Jahre alt und arbeitet seit zehn Jahren als Pharmaberaterin bei einer Hamburger Firma. Zwar hatte sie gerade zu ihrem Dienstjubiläum von der Firmenleitung ein blumiges Lobschreiben erhalten, weiterbeschäftigen wollte man sie aber nicht.

Statt dessen erklärte die Geschäftsführung, daß nach ihren Erfahrungen "weibliche Mitarbeiter im Außendienst, von seltenen Ausnahmen abgesehen, in diesem Alter in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Leistungsbereitschaft wissentlich, nachlassen".

Und auf einmal waren es nun auch angeblich ungenügende Umsätze, weshalb Ingeborg Fischer gekündigt und obendrein sofort vom Dienst suspendiert wurde. Ihrer Kollegin und jungen Nachfolgerin indessen erklärten Arzt-Kunden, sie lehnten es ab, von einer Firma, "die derart mit bewährten älteren Mitarbeitern umspringt", weiterhin Medikamente zu beziehen.

Gegen ihre Suspendierung vom Dienst hat Ingeborg Fischer eine einstweilige Verfügung erwirkt. Die Pharmafirma wird ihre verdiente Mitarbeiterin erst einmal weiterbeschäftigen müssen, bis zur Hauptverhandlung, die angesichts der überlasteten Arbeitsgerichte wohl in einem halben Jahr stattfinden wird. Rechtsanwalt Klaus Bertelsmann: "Wir haben so gut wie gewonnen." V.R.