Seit Freitag, dem 17. September, gibt es in den Bonner Ministerien keine Beförderungen mehr aus besonderer Veranlassung, Dabei gibt es gerade in diesen Tagen genug Veranlassung, sich zum Beispiel mit einer außergewöhnlichen Beförderung für treue Dienste in den vergangenen 13 Jahren sozial-liberaler Koalition zu bedanken. Eine Form des Dankes ist die rasche Höherstufung in die Etage der höheren B-Gehälter, die für Beamte in Bonn bei etwa 7000 Mark beginnen und bei 13 000 Mark enden.

Solche Dankbarkeit findet sich oft vor einem Regierungswechsel oder in Situationen, in denen die noch Regierenden nicht genau wissen, ob und wie lange sie noch regieren werden. Das sind dann die Augenblicke, in denen man sich um das weitere Fortkommen engster Mitarbeiter kümmern muß, sonst ist es zu spät. Soweit bis jetzt bekannt wurde, hat es aber in keinem der Bonner Ministerien einen besonderen Treuebonus gegeben.

Daß die außergewöhnlichen Beförderungen, soweit bekannt, ausgeblieben sind, ist ein Verdienst von Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er hat seine Kabinettskollegen vergattert, Beförderungen – soweit sie nicht ohnedies und unabhängig von einem Bonner Wechsel geplant waren – zu unterlassen. Schmidts Absicht: Niemand soll seiner Regierung nachsagen, sie habe; in ihren letzten Tagen noch einen Schub parteitreuer Beamter befördert.

Im Bonner Verteidigungsministerium gab es den ersten Abschied, allerdings einen nach Plan. Verteidigungsminister Hans Apel drückte seinem externen Industrieberater Manfred Emcke einen Dollar in die Hand und schickte ihn mit guten Worten wieder in die Privatwirtschaft zurück. Der eine Dollar war der symbolische Lohn für Emckes anderthalbjährige Tätigkeit in Apels Diensten. Emckes Aufgabe hat darin bestanden, Schwachstellen in der Organisation und den Arbeitsabläufen des Ministeriums zu erkennen und Verbesserungen vorzuschlagen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Emcke-Arbeit wollte Apel so rasch wie möglich umsetzen: die Einführung eines Controlling-Systems zur Planung, Steuerung und Überwachung des 600 000-Mann-Betriebes Bundeswehr. An der Spitze des Systems sollte ein Controller stehen. Vorgesehen hat Apel dafür seinen Rüstungsdirektor Heinz Padberg. Als Einführungstermin war Dezember geplant, und daran will Apel nichts ändern. An diesem Freitag kann – wird? – alles vorbei sein, nicht zuletzt Padbergs Karriere.

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Seit Wochen liegt beim Bundesrat, der Länderkammer, eine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) als zustimmungsreife Rechtsverordnung. Doch zur Abstimmung kommt sie nun wieder nicht. Es gibt allerlei Einwände und Eingaben interessierter Gruppen, und so meinte der Bundesratsausschuß für Arbeit und Soziales, es sei besser, die neue GOÄ erst einmal zur weiteren Beratung an einen extra gebildeten Unterausschuß zu verschieben.