CSU

Franz Josef Strauß und die Versuchung, Helmut Kohl noch ein Bein zu Stellen

Von Nina Grunenberg

Bonn/München, Ende September

Das große Wort von der "Männerfreundschaft", die ihn mit Franz Josef Strauß verbinde, kann Helmut Kohl zu den Akten legen. Es war eine Illusion, vielleicht sogar eine nützliche, aber sie hat ausgedient. Seit den jüngsten Münchner Quertreibereien bedient sich die Union im Umgang mit der CSU einer Vorsicht, die nicht einmal mehr das familiäre Wort von der "Schwesterpartei" erlaubt. In den Bonner CDU-Quartieren firmieren die Bayern derzeit als jener "dritte Koalitionspartner", der "fünf Meter vor dem Ziel versucht hat, Helmut Kohl ein Bein zu stellen" – so ein CDU-Abgeordneter.

Für die CSU hat sich weniger geändert; sie hat ihren politischen Partner auch nie so dringend gebraucht, wie das umgekehrt der Fall ist. Zwar wußten die Bayern immer zu schätzen, wie sehr Helmut Kohl auf Schonung und Schutz für den in der Bundestagswahl 1980 gescheiterten Spitzenkandidaten Franz Josef Strauß bedacht war. Daß er dabei versuchte, den Bayern-Chef politisch einzubinden und aufs gemeinsame Ganze zu verpflichten, sahen sie ihm nach. Doch hieß es: "Männerfreundschaften gehören nicht zu unseren politischen Denkkategorien." Der CSU reiche vollkommen, wenn eine Sache "politisch läuft".