ZEIT: Wie wirkt sich das hessische Wahlergebnis auf die Bonner Wechselerwägung aus?

Schuchardt: Es ist alles immer noch so offen wie vor der Wahl. Offenbar sind diejenigen, die die neue Koalition angezettelt haben, nämlich Kohl und Genscher, wild entschlossen, ihr Vorhaben auch zu vollenden. Da gibt es freilich zwei Unwägbarkeiten. Die eine ist die CSU, zweite die FDP. Ist sie noch bereit, Herrn Genscher zu folgen? Oder sagt sie: Wir müssen neu anfangen, um den Namen FDP wieder sympathisch zu machen?

ZEIT: Wo liegen die Unwägbarkeiten bei der CSU im Verhältnis zur FDP?

Schuchardt: Die CSU wird sicherlich nicht zulassen, daß wir uns in bestimmten Inhalten wiederfinden, etwa in der Innenpolitik und Rechtspolitik. Das hat natürlich Folgen für die FDP. Die 33 FDP-Abgeordneten, die den Verhandlungen zugestimmt haben, haben das natürlich unter der Voraussetzung getan, daß die CDU bereit ist, uns in bestimmten Sachfragen entgegenzukommen. Statt dessen machen wir jetzt die Wirtschaftspolitik der SPD und die Innen- und Rechtspolitik der CSU.

ZEIT: Wie soll der neue Anfang der FDP aussehen?

Schuchardt: Meine persönliche Meinung ist die, daß wir nur ein Mandat – aber immer auch noch ein Mandat – für die sozial-liberale Koalition haben. Man sollte versuchen, mit neuen Personen – glaubwürdigeren Personen – in dieser Richtung weiterzugehen.

ZEIT: Wen könnten Sie sich als Parteivorsitzenden vorstellen?