Zwei junge Männer buchten bei einem Reiseunternehmen für sich und ihre Freundinnen von Städtereise nach London zum Pauschalpreis von 590,– DM pro Person. Auf dem schriftlichen Anmeldeformular wurden ihnen zwei Doppelzimmer in Privatquartieren bestätigt. Im Reisepreis sollten laut Reisebedingungen die Fahrtkosten, der Übernachrungspreis (21,– DM pro Person und Tag) und die Kosten für eine Stadtbesichtigung enthalten sein.

In London angekommen, gab’s Ärger: Die Gastfamilie weigerte sich, je ein Pärchen im Doppelzimmer schlafen zu lassen, und verlangte, daß die beiden Männer das eine und ihre Freundinnen das andere Zimmer bezögen. Begründung: Sie hielten die gemeinsame Übernachtung unverheirateter Paare für unmoralisch.

Am nächsten Morgen (einem Samstag) beschwerten sich die jungen Deutschen bei der örtlichen Agentur ihres Reiseveranstalters. Nach längerem Hin und Her, worüber sie die Stadtrundfahrt versäumten, besorgte ihnen die Agentur zwei neue Zimmer bei Vermietern ohne religiöse Skrupel. Der Umzug war aber erst für den Montag möglich, so daß die Vier noch zwei weitere Nächte getrennt schlafen mußten.

Nach Deutschland zurückgekehrt, verlangten die London-Reisenden ihr Geld zurück. Zur Begründung beriefen sie sich auf das neue Reiserecht des BGB. Danach brauchen Reisende, die im Urlaub verärgert feststellen, daß der Reiseveranstalter den versprochenen Lustgewinn nicht bietet, ihre verpatzten Ferien nicht entschädigungslos in den Wind zu schreiben. Je nach Schwere des Reisemangels können sie eine bessere Unterbringung verlangen, einen Teil ihres Geldes oder auch den gesamten Reisepreis zurückfordern und – in besonders schweren Fällen – sogar eine Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit einklagen.

Wer ein "ruhiges Zimmer" gebucht hat, braucht also nicht mit einem Hotel an einer Schnellverkehrsstraße vorlieb zu nehmen, wem die "fachkundige Reiseleitung" versprochen wurde, der muß einen ahnungslosen Kunststudenten nicht als Reiseleiter akzeptieren.

Im Fall der Pärchen in den Doppelzimmern ging es nun um die Frage, ob die Weigerung der englischen Gastfamilie, jeweils ein unverheiratetes Paar gemeinsam übernachten zu lassen, als Mangel anzusehen ist, der eine der im Gesetz genannten Sanktionen rechtfertigt (und: wenn ja, welche).

Das Gesetz selbst definiert relevante Mängel als "Fehler...,die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrage vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern So mußten denn Richter entscheiden: Liegt der Wert oder die Tauglichkeit eines Doppelzimmers gerade in der "gemischt-geschlechtlichen Nutzung"? Oder anders gefragt: Minden die gleichgeschlechtliche Nutzung den "gewöhnlichen oder nach dem Vertrage vorausgesetzten Gebrauch"?