Im Universum geht es rund, meint der angehende britische Astronom Paul Birch von der Universität Manchester. Ihm kam beim Studium der Magnetfelder von 94 Galaxien, die auch Radiowellen aussenden, eine verblüffende Vermutung: Nicht nur Sterne und Milchstraßensysteme drehen sich, sondern auch der ganze Kosmos. Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, daß die Drehbewegungen einzelner Galaxien unabhängig voneinander verlaufen – einmal im Uhrzeigersinn, einmal entgegengesetzt. Nachdem Birch die räumliche Ausrichtung der beobachteten Sterneninseln genau untersucht hatte, kam er zu einem anderen Schluß: Die einzelnen Drehbewegungen sehen nur unabhängig aus, weil wir von unserem irdischen Standort aus einmal "auf" und einmal "unter" die rotierenden Galaxien schauen, je nachdem, in welchem Sektor des Alls die Sternensysteme plaziert sind. So gesehen ist die entgegengesetzte Drehrichtung nur eine Frage des Blickwinkels. Wenn jedoch so gut wie alle Galaxien gleichgerichtet roderen, kann der Drehimpuls, wie Birch argumentiert, nur vom Universum selbst kommen. Ein rotierendes Universum jedoch würde die Kosmologie revolutionieren. So wäre geklärt, woher die Galaxien ihre Drehrichtung bekommen haben. Auch die Frage, ob sich das Ali ewig ausdehnt oder (als "geschlossenes Universum") irgendwann wieder in sich zusammenstürzt, fände eine Antwort: Ein rotierender Kosmos kann aus physikalischen Gründen nicht kollabieren. Eine Umdrehung des Universums dauert, wie Birch schätzt, rund 60 Billionen Jahre – etwa 3000 Mal länger als das bisherige Alter des Kosmos. Freilich wirft die Entdeckung neue, noch vertracktere Probleme auf: Dreht sich das Universum links oder rechts herum? Und warum dreht es sich überhaupt?

müll