Kurzarbeit und Entlassungen in der Maschinen- und Uhrenindustrie der Eidgenossen

Die weltweite Rezession hinterläßt nun auch in der Schweiz ihre Spuren. Betroffen sind vor allem der schweizerische Maschinenbau und die Uhrenindustrie. Sulzer, BBC, Bührle und Georg Fischer sowie die Uhrenmacher ASUAG und SSIH, die alle über eigene Tochterunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland verfügen, mußten in ihren Stammhäusern zu Kurzarbeit, gelegentlich sogar schon zu Entlassungen Zuflucht nehmen.

Dabei hatte das Jahr 1982 noch hoffnungsvoll begonnen: Die Umsätze der 200 Mitgliedsfirmen des Vereins Schweizerischer Maschinenindustrieller (V.S.M.) waren im ersten Halbjahr um gut sechs Prozent auf fast 7,6 Milliarden Franken gestiegen. Der Export hatte um drei Prozent mengen-, wertmäßig sogar um sechs Prozent, zugenommen. Doch Mitte des Jahres war dann der Auftragsbestand auf einen nie dagewesenen Tiefstand von etwas mehr als sechs Monatsproduktionen zusammengeschrumpft. Besonders hart betroffen ist die Textilmaschinenindustrie, deren Aufträge inzwischen nur noch für 3,8 Monate reichen.

Für die Schweizer Maschinenindustrie, die in der Bundesrepublik Deutschland gut ein Fünftel ihrer Ausfuhren absetzt, ist der nördliche Nachbar zudem zu einem gefährlichen Weltmarktkonkurrenten geworden. Denn das ständige Ansteigen des Schweizer Franken gegenüber der Mark hat zahlreiche Schweizer Konkurrenten aus dem Markt geworfen. Hinzu kommt, daß sich der Konkurrenzkampf mehr und mehr auf die Finanzierungsbedingungen verlagert. Staatliche Unterstützungshilfen bei der Bereitstellung neuer Kredite, verbilligte Zinsen, Währungsausgleich – alles Vorteile, die die Schweizer Maschinenindustrie nicht genießt –, erwiesen sich in einer derartigen Konkurrenzsituation als "Exporttöter", klagt Verbandssprecher Horat. Denn auch im Rahmen der schweizerischen Exportrisikogarantie sind längerfristige Exportkredite in ausländischer Währung nicht abgesichert.

Was der Maschinenindustrie noch bevorsteht, ist in der Schweizer Uhrenindustrie schon gang und gäbe: Die beiden Großunternehmen ASUAG und SSIH, die voll in der Krise stecken, versuchen bereits, mit Teilsanierungen und intensiven Umstrukturierungsprogrammen aus den roten Zahlen zu kommen. Kurzarbeit und Entlassungen von über tausend Mitarbeitern waren die Folge. Schon im Frühjahr dieses Jahres hatte die ASUAG den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen angekündigt. Die inzwischen sanierte, gleichwohl noch immer stark defizitäre SSIH-Gruppe muß nun 300 bis 400 Arbeitsplätze in der noblen Omega-Fabrik abbauen.

In einem Brief an ihre Aktionäre beklagte die ASUAG die "ruinöse Preis- und Distributionspolitik" der Konkurrenz in Fernost. In der Uhrenindustrie ist die Produktion im ersten Quartal bereits um 35 Prozent gesunken. Der Export fiel im ersten Halbjahr um rund elf Prozent unter den Vorjahresstand. Das ist ein besonders herber Schlag für eine Industrie, die fast ihre gesamte Produktion im Ausland absetzen muß. Einziger Lichtblick: Die Schweiz ist endlich auch zum Quarzuhrenproduzenten aufgestiegen. Im Jahre 1981 erreichten die elektronischen Uhrwerke und Fertiguhren nahezu achtzig Prozent des Gesamtexportwertes. Noch vor einigen Jahren waren es erst wenige Prozentpunkte.

Die Schweizer Uhrenindustrie verwandelte sich fast über Nacht in eine Elektronikbranche. Doch das ist erst der Anfang des Gesundungsprozesses. Mit der Produktionsverlagerung auf Luxus- und teure Markenuhren geht die Rechnung der Schweizer Uhrenproduzenten jedenfalls noch nicht auf. Und schließlich: Zu den Strukturproblemen gesellt sich nun auch noch der Konjunktureinbruch. Martin Ungerer