Von Gunter Hofmann

Mittwoch, 22. September

Werden Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher ihr Ziel erreichen und ihrer Koalition eine Plattform schaffen können, wie sie sich das vorgenommen haben? Christdemokraten und Liberale befinden sich seit Tagen im Wechselbad der Gefühle. Ein paar Stunden lang hofft die Genscher-Opposition in der FDP, das Blatt noch einmal wenden zu können. Das heißt für sie: zu Schmidt stehen, wie es den Wählern versprochen worden ist, Strauß die Tür nicht zu öffnen und die FDP vor dem Odium der Umfallerpartei zu bewahren.

Einer der Gründe für die neuen Hoffnungen: Hans-Dietrich Genscher hat seinen Innenminister Gerhart Baum in den Gesprächen mit der Union der CSU einfach geopfert. Die Bayern wollten Baum, das "Sicherheitsrisiko", nicht als Gesprächspartner akzeptieren, obwohl das FDP-Präsidium beschlossen hatte, er solle über Innen- und Rechtspolitik verhandeln. Aber davon ist keine Rede mehr. Genscher schluckt sogar, daß die CSU Friedrich Zimmermann zum Innenminister machen will.

Spannungen und Bandbreiten der neuen Koalition, das zeigt sich schon jetzt, werden künftig größer als in der sozial-liberalen sein, die nach dreizehn Jahren zerbrochen ist. Zwischen Willy Brandt und Walter Scheel, Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher wäre es undenkbar gewesen, daß der eine Partner den anderen für nicht gesprächsfähig erklärt hätte.

Zudem hat Gerhart Baum, der gemeinsam mit ein paar Sozial-Liberalen an einem Spiegel- Empfang teilnimmt, Grund, sich stellvertretend für viele Liberale von Genscher düpiert zu fühlen. Der FDP-Vorsitzende scheint es nicht einmal als Niederlage zu empfinden, daß seine Partei keinen Titel mehr auf dieses Ministerium und diese Politik haben soll. Im Vorübergehen hat er Baum soeben wissen lassen, da gebe es doch mit der Union "überhaupt kein Problem".