Herr Präsident, meine Damen und Herren. Dies ist nun endlich die Stunde, da eine neue handlungsfähige Regierung mit zukunftsweisender Programmatik vor das Forum unseres Volkes in seiner gesamten soziologischen Struktur hintritt, um das so lange entbehrte Vertrauen in seine Regierungsfähigkeit wieder herzustellen. Ich gehe fest davon aus, daß unsere Mitbürger ein Recht darauf haben zu erfahren, wie denn nun die ganz konkrete anstehende Problematik einer Lösung zugeführt werden kann. Ich begrüße das und spreche aus diesem Punkt heraus ganz klar und offen unsere Hauptaufgabe an, die darin bestehen wird, mit Augenmaß neue Schwerpunkte zu setzen, welche jedoch den Gesamtzusammenhang des Ganzen nicht aus dem Auge verlieren dürfen.

Wer wie ich ständig das Gespräch mit der breiten Öffentlichkeit sucht, weiß, daß die Bundesrepublik Deutschland genug hat von der kalten Besserwisserei der Macher, die sich ja doch nur mit irgendwelchen tagespolitischen Details beschäftigen und dabei die Grundlinien nicht mehr in ihr Blickfeld integrieren. Anders als mancher Parteifreund bin ich in meinem ganzen politischen Werdegang immer nüchtern mit dem Mut zur Wissenslücke vor unser Land getreten und habe in meinen Reden vor Ort schonungslos und mit Stehvermögen die großen Fragen nach dem Woher und dem Wohin ausgetragen. Dieses Phänomen des Anspruchsdenkens, daß jeder Politiker zugleich ein Sachverständiger sein soll, ist nachgerade gänzlich unerträglich, hier tut eine grundsätzliche Rückbesinnung auf die Eigenverantwortung des Bürgers wirklich einmal not. Es geht doch einfach darum, daß wir alle miteinander – und ich nehme mich da keinesfalls aus – mehr wesentliches Miteinander und Füreinander statt Gegeneinander brauchen. Ich habe mich nie gescheut, seit Jahr und Tag zum Ausdruck zu bringen, was dem deutschen Volk wirklich auf den Nägeln brennt, das ist doch die andauernde Sinnkrise. Aber die tiefere Ursache dieser politisch-moralischen Krise, ich sage das klar und deutlich, ist der Wertezerfall. Das ist doch die reale Situation. Ich darf das sagen, auch wenn mich die Krise des Denkens nie betroffen hat. Hier muß doch endlich einmal etwas getan werden. Diese Regierung wird daher den Wertezerfall vorrangig anpacken.

Nur durch Flaggezeigen und nicht durch ständiges kontroverses Zerreden werden wir es schaffen, daß unsere Unternehmer wieder etwas unternehmen, daß unsere Arbeiter wieder arbeiten, daß unsere Frauen wieder beglückend weiblich und unsere jungen Menschen wieder jung sein dürfen, ohne in einer künstlich hochgepäppelten Staatsverdrossenheit ihr Demokratieverständnis zu gefährden. Das jedoch ist nur möglich, wenn wir das völlig verlorene Vertrauen wieder neu aufbauen. Hier stehen wir nach unserem Politikverständnis in der Pflicht.

Vertrauen; wird geschaffen, wenn man primär gegenüber sich selbst und seinen Freunden eine Vertrauensbasis herstellt. Ich sage das hier ohne Wenn und Aber, nur weil ich das feste Vertrauen in meine politische Führungskraft habe, bringe ich auch meinen Parteifreunden innerhalb und außerhalb dieser Regierung das volle Vertrauen entgegen. Ich weiß, daß sie alle hinter mir stehen, daß sie mich rundum bis zu den Grenzen ihrer Belastbarkeit mittragen und daß sie im Glauben an die Zukunft, die sie selbst kraftvoll mitgestalten werden, nach vorn blicken.

Ganz besonderes Vertrauen genießt auch die freidemokratische Komponente unserer Regierung, die in mehrfacher, schwierig zu bewältigender partnerschaftlichen Neuorientierung ihre innere Zerrissenheit überwunden und ihre Überlebensfähigkeit so deutlich unter Beweis gestellt hat. Dieser gelebte Gemeinsinn bedeutet ein Stück Glaubwürdigkeit in diesem Lande, und das wird auch von den Menschen draußen so empfunden. Ich kann daher mit Befriedigung feststellen, unser Land hat nun wirklich die Regierung, die es verdient.

Das alles ist aber wertlos ohne die Einbettung in die Sicherheitsthematik. Ich sage hier schlicht und einfach, unsere äußere Sicherheit ist die Grundlage unseres Fundaments. Wer hier etwas zerstört, unterhöhlt die Basis jeden soliden Unterbaus. Das sage ich aus der unmißverständlichen Kontinuität unserer geschichtlichen Erfahrung heraus. Und hier ist zu viel Schaden angerichtet worden. Unsere Alliierten jenseits des Atlantiks haben in der Tat Anspruch auf einen Partner, der ihre Sprache spricht. Wir müssen einfach wieder mehr miteinander statt übereinander reden und dabei, auch wenn es schwerfällt, eine gemeinsame Sprache finden. Ich tue das schon seit Jahren, ich brauche niemanden, der unser gemeinsames politisches Wollen in deutsche Politik übersetzen muß, auch keinen sogenannten Weltökonomen aus der Provinz.

Provinz sind doch die Außenbereiche eines Landes, seine Küstenstädte. Ich aber habe langjährig Verantwortung getragen in Rheinland-Pfalz, einem Kernland unseres Vaterlandes. Dennoch ist mir die Welt nicht fremd, denn meine existentielle Menschwerdung vollzog sich in einer Hafenstadt, nämlich in Ludwigshafen.