Beachtlich

"Janis" von F. R. Crawley. Acht Jahre hat es gedauert, bis dieser Film über die 1970 verstorbene Rocksängerin Janis Joplin in unsere Kinos kam. Bei vierzehn der schönsten Songs – von "Mercedes Benz" bis "Me and Bobby McGee" – darf man noch einmal zuschauen, wie die Joplin über die Bühne stampft; wie sie schreit und sich verausgabt; wie sie mit dem Publikum tanzt oder nach einem Lied völlig erschöpft, aber gut gelaunt Dick Cavett Fürchterlichkeiten aus ihren Schultagen in einer bigotten Kleinstadt erzählt. Regisseur Crawley hat mit "Janis" nichts für die Zukunft des Musikfilms getan. Er schneidet brav Ausschnitte aus den interessantesten Interviews zwischen Konzerthöhepunkte. Offensichtlich mit Rücksicht auf die "Rechte-Inhaber" des Erbes der Joplin läßt er sie im Film auch kein einziges Mal zum "Southern Comfort" greifen, den sie doch bei manchen Konzerten gleich flaschenweise konsumiert hat. Auch wie sie gestorben ist, verrät der Film nicht. Dafür zeigt er einen Menschen, der geliebt und gelitten hat. Bodo Fründt

Rührend

"Firefox" von Clint Eastwood ist ein neokonservativer Spionage-Thriller (mit wenig Thrill), der die Konventionen des Kalten Krieges aus Filmen der fünfziger Jahre wieder aufzuwärmen sucht – sehr kalkuliert, doch mitunter auch geradezu rührend dilettantisch. Weil die Sowjets mit der MiG-31, Codename Firefox, einen Super-Kampfbomber entwickelt haben, wird vom westlichen Geheimdienst ein Vietnam-Veteran und Flieger-As (Eastwood) aus seinem Domizil in Alaska geholt und hinter den Eisernen Vorhang geschickt, um diese fliegende Wunderwaffe zu stehlen und in die dafür besser geeigneten Hände von Onkel Sam zu überführen. Hilflos und naiv stolpert Clint Eastwood im langen Mittelteil durch eine Ansammlung von Stereotypen (die russischen Wissenschaftler, die das Flugzeug entworfen haben, sind samt und sonders edel-selbstlose jüdische Dissidenten; die russichen KGBler und Militärs sind arrogant, dumm und gemein). Ständig wechselnde Maskierungen machen aus Eastwood, dem "Mann ohne Namen", einen Mann ohne Gesicht. Das mag seine Fans vielleicht verwirren, war aber wohl beabsichtigt. Dieser Überflieger, so ahnt man alsbald, steht symbolisch für Amerika selbst: etwas traumatisiert von Vietnam, doch ansonsten aufrecht, unschuldig-direkt, mutig und voll von stolzem Patriotismus. Das finale "Showdown" der beiden Firefox-Prototypen – vom "special effects"-Genius John Dykstra konzipiert, der hier seine Oscar-prämiierten "Star Wars"-Sequenzen kopiert – gibt den Fans den echten Eastwood zurück (der große Einsame im Cockpit) und bringt das Politthema von der Verbissenheit der Fünfziger zur futuristischen Sehnsucht der Achtziger. Wie schön, wenn alle politischen "Gleichgewichts"-Probleme so zu lösen wären: als elektronische Videospiele! Helmut W. Banz

Ärgerlich

"Tollwut" von Ilse Hofmann. Die Filme, die Ilse Hofmann für das Fernsehen drehte, waren erhellend und wichtig, zumal dann, wenn sie, wie "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" (1978) und "Die Welt in jenem Sommer" (1980), den Nationalsozialismus aus der Sicht von Kindern zeigten. In ihrem ersten Kinofilm beschäftigt sich die Regisseurin wieder mit Kindern. Aber der deutsche Mittelstand, der sich in Bungalowsiedlungen niedergelassen hat, bietet kaum Stoff für spannendes Kino, geschweige denn Stoff zum Träumen. So wird mühsam eine Konfliktsituation konstruiert, die es sicherlich gibt, die im Film eher banal wirkt: Eine begüterte Familie mit Eckgrundstück erregt den Neid des ärmeren Nachbarn. Was sich daraus entwickelt, sind ewige Prügeleien zwischen den dreizehnjährigen Söhnen Olli und Micki, ist eine nicht eben glaubwürdige, weil ganz und gar überzogene Aggressivität des neidischen Nachbarn, die sich schließlich in Gewalttätigkeit entlädt. Die Erwachsenen sind eher papierene Figuren, denen man weder die schöngeistigen Ambitionen noch den polternden Ton abnimmt. Die Kinder agieren – jedenfalls die beiden Hauptfiguren – glaubwürdiger. Und da auch ein bißchen Kino-Action dazu gehört, der Zuschauer entschädigt werden muß für die träge sich hinschleppende Geschichte, die auch optisch nicht überzeugt, inszeniert die Regisseurin nicht nur einen Waldbrand, sondern auch noch eine blindwütige Schießerei zwischen Rasen und Blumenrabatten.

Anne Frederiksen