Sein Entschluß paßt ins Bild: Hans Janßen, im IG-Metall-Vorstand zuständig für Tarifpolitik, will dieses Ressort abgeben. Der Grund: Seine Vorschläge zur Tarifrente sind im Vorstand auf keine Gegenliebe gestoßen. Der will sich statt dessen voll auf die Verkürzung der Wochenarbeitszeit konzentrieren.

Die meisten Spitzenfunktionäre – gleichgültig ob in Gewerkschaft, Parteien oder Arbeitgeberorganisationen – hätten eine solche Abfuhr vermutlich hingenommen und sich dem Mehrheitsbeschluß gebeugt. Nicht so Hans Janßen. Seine Redlichkeit und Gradlinigkeit fordern Konsequenzen.

Den IG-Metall-Vorstand hat Janßens Reaktion zu vorzeitigen Personaldebatten gezwungen. Im Herbst 1983 steht ohnehin das große Revirement bevor. Dann macht Eugen Loderer den Platz des Vorsitzenden frei, und auch Georg Benz will sich In den Ruhestand zurückziehen. Erst einmal hat die Gewerkschaftsspitze die Entscheidung über die Janßen-Nachfolge denn auch vertagt. Der Vorstand ist derzeit ohnehin nicht vollzählig in Frankfurt versammelt.

In den nächsten zwei, drei Wochen passiert also noch gar nichts. Spekulationen allerdings sind Tor und Tür geöffnet. Wer könnte den Bereich Tarifpolitik für ein Jahr übernehmen? Der stellvertretende Vorsitzende Hans Mayr, ein gewiefter Tarifpolitiker und Janßens Vorgänger im Amt, der als Nachfolger Loderers gilt? Was aber soll Hans Janßen dann ein Jahr lang machen? Verläßt Janßen den Vorstand also womöglich doch, oder läßt er sich überreden; seinen Bereich kommissarisch weiter zu verwalten? Und sollte er ganz zurücktreten, wer kommt an seine Stelle?

Die IG Metall ist damit vorerst einmal. abgelenkt von ihren eigentlichen Themen und auch von der bevorstehenden schwierigen Tarifrunde.

Bei Hausgeräten will die Allgemeine Deutsche Philips Industrie GmbH, Hamburg, künftig ein gewichtigeres Wort mitreden. Bisher machten die deutschen Philips-Unternehmen mit "weißer Ware" einen Umsatz von nur rund 120 Millionen Mark. Trotz allgemeiner Nachfrageschwäche hatte dieser auch in letzter Zeit steigende Tendenz.

Mit der Übernahme zweier Bauknecht-Werke sowie des 50prozentigen Bauknecht-Anteils an der Euro-Hausgeräte, die bisher gemeinsam mit Bauknecht betrieben worden war, wird der Jahresumsatz um rund 800 Millionen steigen. Die Philips-Geschäftsführung ist sich sicher, auch daran verdienen zu können. Die Ausgangsposition ist günstig. Die Übernahme von Werken sei allemal billiger als der Neubau von Fabriken, wurde in Hamburg erklärt. Der immer noch angesehene Markenname Bauknecht wird erhalten bleiben, so daß Philips mit zwei Namen am Markt vertreten sein wird.