Unser Mann in Genf war bis vor kurzem eine Frau. Juliane Stephan, keine auffallend gute, doch einigermaßen telegene Journalistin hat ein Jahrzehnt lang die ARD mit ihren kurzen Stückchen und immer auch mit ihrem Gesicht bedient. Jetzt wurde sie zum Heimatsender, dem Südwestfunk, zurückgerufen, ihre Zeit war längst abgelaufen. Angeboten wurde ihr in Baden-Baden ein properer Hörfunkposten – nichts Großes, nichts kleines, eben angemessen. Juliane aber verklagte den Sender: Er möge ihr Besseres bieten.

Aber man darf der Juliane Stephan nicht unrecht tun. Was Eitelkeit und Selbstüberschätzung anbetrifft, hat sie ihre männlichen Kollegen nur unwesentlich übertroffen. Die Auslandskorrespondenten sind, nach eigenem Verständnis jedenfalls, die Elitetruppe des deutschen Fernsehjournalismus. Und keiner macht es ihnen leicht, mit den Füßen auf der Erde zu bleiben. Ihre Popularität rückt sie in Star-Bereiche; die Intendanten hätscheln sie, weil der Hauch der weiten Welt in den trockenen Chefetagen immer erfrischend wirkt; die hohen Bezüge samt Auslandszulagen können sich schon deshalb sehen lassen, weil in vielen Fällen internationale Versteuerungsmechanismen die Rechnung brutto gleich netto aufgehen lassen. Kräftige Wohnungszuschüsse sorgen dafür, daß die Fernsehvertreter im Ausland samt ihrem Hilfspersonal fürstlich untergebracht sind. Ein Kameraassistent kann sich da schon einmal eine Wohnung für 4000 Mark monatlich leisten, und der Korrespondent residiert zwar nicht so gut wie der Botschafter, aber um großzügig hofzuhalten, reicht es allemal. Ganz abgesehen davon, daß im Vergleich zur Publizität des TV-Korrespondenten der Botschafter nicht selten nur als höherer Konsularbeamter erscheint.

Heimkommen fällt da schwer. Das gilt besonders bei der ARD, die die Welt in Berichtsgebiete der einzelnen Sender aufgeteilt hat. Heimkehr bedeutet also: zurück zu den alten Kollegen der jeweiligen Landesrundfunkanstalt. Und die haben auf den Star natürlich schon lange gewartet. Da ist viel Ruhm vor die Hunde gegangen. Thilo Koch hat nach seinem Washington-Abschied in den sechziger Jahren in der Fernsehheimat nie wieder recht Fuß gefaßt. Hans-Walter Berg, im Kollegenkreis auch bekannt als der Maharadscha von Whisky-pur, konnte hierarchische Träume im NDR nicht verwirklichen. Immerhin blieb er geachteter Asien-Senior. Am besten gehalten hat sich Peter von Zahn. Die Washington-Zeit des bald Siebzigjährigen ist unvergessen. Aber damals war die Konkurrenz auch noch nicht so stark.

Inzwischen haben die Auslandskorrespondenten längst begriffen, daß sie nicht als Altgediente, sondern als Mittelgealterte in ihre Sender zurückkehren müssen, wenn sie für ihre Karriere noch etwas bestellen wollen. Mit dem Popularitäts-Pfund muß man beizeiten wuchern. Ob Begabung und Erfahrung auch für heimische Spitzenpositionen ausreichen, merken die Verantwortlichen sowieso erst nach der Berufung. Dann ist es zu spät.

Glückskind bei den Heimkehrern ist derzeit Lothar Loewe. Er war mal in Washington, in Moskau, dann in Ost-Berlin (den politischen Rausschmiß hat er publikumswirksam vermarktet), schließlich wieder in Washington. Jetzt wird er Intendant beim Sender Freies Berlin, löst den glücklosen SPD-Mann Wolfgang Haus ab. Loewe ist ein begabter Schwätzer, ohne Pause, aber auch ohne Bedeutung. Niemand weiß, ob er ein großes Haus leiten kann; der Bildschirm hat ihn zum Intendanten gemacht. Als positiv verzeichnet Telebiss immerhin, daß ein Programm-Mensch in die Administrationsgilde der Intendanten einzieht.

Auch im Kreis der Fernsehdirektoren der ARD gibt es einen Neuen: Rolf Seelmann-Eggebert vom NDR (vormalige Berufsadresse: Afrika und London). Das ist ein zurückhaltender, tüchtiger Journalist, der freilich unter seinem Verwaltungsamt schon zu leiden beginnt. Bei den Chefredakteuren gibt es geradezu eine Schwemme der ehemaligen Auslandskorrespondenten: Für Bremen Ulrich Kienzle, früher Südafrika; für Berlin Joachim Braun, früher Südafrika (Hörfunk); für ARD-aktuell Edmund Gruber, früher Israel, London und Washington; für Tagesschau Günther Müggenburg, früher (ziemlich untauglich) Hongkong und Washington. Und im Bayerischen Rundfunk wird bald Wolfgang Feller, aus Rom noch gut in Erinnerung als der Ruppige im Maßanzug, den Chefredakteur Rudolf Mühlfenzl ablösen, der als Direktor zum Kabelfernsehen überwechselt.

Ach, wer alles noch zu nennen wäre aus dem Revier imagebesessener Auslandskorrespondenten: Gerhard Konzelmann in Nahost, der mit zuweilen verwegen wehendem Schlips immer so tut, als ob er an der Front sei, in Wahrheit aber die Etappe bevorzugt; Peter Gatter, der prima in Polen war, als Panorama-Chef in Hamburg aber reichlich banal wirkt; Rudolf Rohlinger, der als New York-Korrespondent wenig auf die Beine stellte und nun in der Unterhaltung beim WDR jämmerlich verkümmert; Winfried Scharlau, ehemals Fernsehchefredakteur des NDR, der irgendwo in Asien verlorengegangen ist; Klaus Bednarz, der Super-Eitle aus Moskau, der fortan – gegen das Votum der Chefredakteure – die Tagesthemen in Hamburg mit moderieren soll; Klaus Stephan, der so verschwommen wie keck TT moderiert hat und nun vorzeitig auf einem Korrespondenten-Alterssitz in Wien gelandet ist.