Vorbei sind die Zeiten, da die Prawda – nach Chinas Angriff auf Vietnam 1979 – wütende Verse gegen Peking schmiedete: "Der dem Irrsinn verfallene Narkoman/tat Bosheit dem Nachbarn an." Statt dessen ist der sieche Leonid Breschnjew zum zweitenmal innerhalb weniger Monate in den Süden seines Landes gereist, um dem asiatischen, Nachbarn mildere Strömungen aus dem Norden zu verheißen. Und Breschnjews Pekinger Amtskollege Hua Jaopang hat auf dem jüngsten Parteitag nicht mehr über die "Sozialimperialisten" und "Revisionisten" geschimpft. Zuvor schon durften sowjetische Fernost-Experten und Sportler einreisen. Amerika wird dagegen wieder düsterer geschildert als in den vergangenen Jahren – weil Ronald Reagan sich nicht davon abhalten lassen will, Taiwan Waffen zu liefern.

Sind all das Signale für eine tiefergehende Annäherung zwischen den seit mehr als zwanzig Jahren verfeindeten roten Brüdern? Nichts spricht dafür. China ist bereit, Handel und Wissenschaftskontakte mit Moskau auszubauen, solange das den Import westlicher Technik nicht mindert. Für eine neue Verbrüderung aber müßten Moskau und Peking ihre Machtinteressen in Asien aufeinander abstimmen können. Doch wie sollte das möglich sein? Mit Moskaus Präsenz in Afghanistan und Indochina werden sich Chinesen ebensowenig abfinden wie mit den 51 Divisionen an ihren Grenzen. Diese Truppen soll der Kreml – als erste Tat – erheblich reduzieren. Da endet schon der Spielraum für die neue Verhandlungsrunde im Oktober. C.S.–H.