F. G. Hanke: Endsieg des Kapitalismus – weniger arbeiten – besser leben, Fortschritt ohne Wachstum. Ein trend-profil-Buch im Verlag Orac, Wien. 223 Seiten, DM 36,–.

Vermutlich wird nie ein Funktionär der IG Metall dieses Buch von sich aus in die Hand nehmen. Der Titel muß auf überzeugte Gewerkschafter wirken wie das Weihwasser auf den Teufel.

Überzeugte Kapitalisten dagegen werden es freudig ergreifen – und dann wütend in die Ecke knallen. Denn so, wie sich Hanke den Endsieg des Kapitalismus vorstellt, wird er gemeinhin von Unternehmern und deren Verbänden nicht ersehnt.

Der Weg, der zu diesem Ziel führen soll, heißt nämlich Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohneinbußen. Und dies wiederum ist genau das, was die IG Metall in der Bundesrepublik ab 1984 anstrebt. Sobald die bisherigen Tarifverträge ausgelaufen sind, will sie eine großangelegte Offensive zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit starten. Das Buch von Hanke könnte den Gewerkschaftsfunktionären in Frankfurt dabei allerlei Munition liefern – wenn nur der schreckliche Titel nicht wäre.

Hanke hat kein wissenschaftliches Buch geschrieben und wollte dies auch sicherlich nicht. Er wendet sich an einen breiten Leserkreis, bedient sich einer leicht verständlichen Sprache, eines flotten Stils und scheut sich auch nicht, in der Ich-Form zu schreiben, wenn er den Leser direkt ansprechen, ihm die Dringlichkeit seines Anliegens deutlich machen will.

Um zu zeigen, daß der einzige Ausweg aus der gegenwärtigen Misere nur eine Arbeitszeitverkürzung sein kann, rechnet Hanke erst einmal mit allen anderen ab, die ihre Theorien zur Rettung der Wirtschaft anpreisen – oder bei ihren praktischen Rettungsversuchen nach seiner Ansicht schon gescheitert sind: mit den "klassischen Ökonomen", mit John Maynard Keynes, dem britischen Propheten der Nachfragepolitik und seinen Jüngern, mit den Monetaristen und den modernen Vertretern der Angebotspolitik.

Hanke macht sich über alle lustig, die noch daran glauben, daß man nur wieder ein ordentliches Wirtschaftswachstum erzeugen müsse, um mit der Arbeitslosigkeit und allen anderen Symptomen der weltweiten Krise fertig zu werden. Was alle Regierungschefs – von Kreisky bis Schmidt, von Thatcher bis Reagan – heute unisono anstreben, nämlich die Rückkehr zu einem dauerhaften Wirtschaftswachstum von vier bis fünf Prozent, bedeute eine Verdoppelung der Produktion alle 18 beziehungsweise 14 Jahre. Sollen wir denn die ganze Landschaft mit Autobahnen zubetonieren, die letzten freien Plätze mit Autos vollstellen, die Wohnungen voller Kühlschränke, Waschmaschinen und andere langlebige Konsumgüter stopfen, nur damit die immer weiter gesteigerte Güterproduktion irgendwo untergebracht werden kann, fragt der in Österreich beheimatete Autor. Er vermag auch nirgendwo noch größere materielle Bedürfnisse zu erkennen, die es zu befriedigen gilt. Weder Hausbau noch Rüstung, Energieerschließung, Entwicklungshilfe oder neue Produkte bringen nach seiner Meinung genügend zusätzliche Beschäftigung, um die Produktivitätsfortschritte und die Zunahme der arbeitsfähigen (und arbeitswilligen) Bevölkerung aufzufangen.