Nicht nur ehemalige Anhänger Adolf Hitlers, auch viele, die lediglich meinen, gerecht sein zu sollen, wenn es um die Beurteilung von Hitlers Leistungen geht, argumentieren immer wieder mit dem Hinweis, daß Hitler doch immerhin die Autobahnen geschaffen habe. Bewußt oder unbewußt folgen sie damit einer offiziellen nationalsozialistischen Propaganda-Legende, derzufolge Hitler 1924 während seiner Haft in Landsberg die Erleuchtung zu einem Netz kreuzungsfreier Nur-Autostraßen gehabt habe. Aber – so der Zeithistoriker Hans-Joachim Winkler in seiner Broschüre "Legenden um Hitler" (Berlin 1963), dem wir hier folgen – "nicht einmal die Idee der Autobahnen stammt von Hitler selbst".

Zwar hat Hitler, nachdem er 1933 an die Macht gekommen war, das deutsche Autobahnnetz mit Vorrang (vor dem von anderen empfohlenen und sehr viel nötigeren sozialen Wohnungsbau) realisieren lassen, aber die Vorarbeiten für die später so genannten "Straßen des Führers" hatten andere längst geleistet. Und die unter Hitler gebauten Autobahnen waren keineswegs die ersten.

Was es bereits gab, und was in der Planung war, hat Hans-Joachim Winkler zusammengestellt:

1. In Berlin gab es seit 1921 die 9,8 Kilometer lange Avus, begonnen 1912 auf Anregung der "Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße GmbH", nach der sie noch heute heißt. Sie gilt als erste Autobahn der Welt

2. In den Vereinigten Staaten entstanden seit Beginn der zwanziger Jahre die Highways, autobahnähnliche Schnellstraßen.

3. In Italien baute der Bauunternehmer Pierre Puricelli 1923/24 die ersten 130 Kilometer "Autostrada" von Mailand an die lombardischen Seen.

4. In Deutschland diskutierte seit 1924 die "Studiengesellschaft für den Automobilstraßenbau (Stufa)" Autobahnprojekte.