Frankfurt

Vor allem wohl dem Fernsehstar Professor Grzimek verdankte es Frankfurt, mit einem der vergleichsweise kleinsten zoologischen Gärten in Europa Besucherzahlen zu erreichen, die sich vor den Resultaten von London, Paris und Berlin nicht zu verstecken brauchten. Für den Preis allerdings, daß man in den Spitzenzeiten vor lauter Menschen die Tiere nicht mehr sehen konnte.

So beschloß denn vor mehr als zehn Jahren das Frankfurter Stadtparlament einmütig, eine Zoo-Dependance anzulegen. Ausgewählt wurde ein. 80-Hektar-Gelände im Niddatal, einer Naturidylle in einer vom Stadtzentrum passablen Entfernung. Damals, im Jahre 1970, argumentierte Tele-Grzimek bescheiden, er habe nicht voraussehen können, welche Entwicklung dieser Tiergarten nehmen würde, als er vor 26 Jahren den arg zerstörten Frankfurter Zoo übernommen habe.

Des umtriebigen Fernseh-Professors Träume gingen in Erfüllung. Heute äsen in den Nidda-Auen Wisente und Hirsche; zum uneingeschränkten Vergnügen der Sonntagsradler, die durch dieses Revier strampeln und eine Verschnaufpause einlegen, um den Natur-Tier-Kontakt zu genießen. Doch die Tage eines solchen Vergnügens sind gezählt. Der Frankfurter Magistrat hat sich die Sache anders überlegt: Die Nidda-Dependance soll in eine andere Region verlegt werden.

Das klingt harmloser als es ist. Hier geht es nämlich nicht um Gefühlswerte, sondern um Geld: Für die Gehege von Wisenten und Hirschen, für Wohnbauten und Versorgungseinrichtungen sind bisher über drei Millionen Mark ausgegeben worden und weitere 1,5 Millionen für den Betrieb. Darin eingeschlossen sind Spenden von einer Million Mark, die Mitglieder der "Zoologischen Gesellschaft von 1858" gesammelt hatten.