Da es nun wahr werden wird, daß wir einen Kanzler Kohl bekommen, wenden wir uns an den letzten, der diese weltpolitische Blamage verhindern kann, an Franz Josef Strauß. Eine neue Koalition, eine Anti-Seifen-Oper-Koalition bieten wir an! Jener Frankenstein der Biederkeit muß verhindert werden! Wir wollen die Gegner, die unsere wirklichen Gegner sind ... Stellen Sie sich ihn beim Wirtschaftsgipfel in Venedig vor: bei dem Versuch, zum fünfundzwanzigsten Male dem amerikanischen Präsidenten die Vasallentreue zu erklären, wäre er in den Kanal gerutscht. Sie wissen, wie die Simultandolmetscher jetzt schon grinsen, wenn der "Generalist" international auftritt. Die Welt hätte sich krank gelacht über den häßlichen Deutschen. Reagan wird mit ihm Schlitten fahren, und er wird’s nicht merken, und Breschnew wird ihn ausspielen. Im Elysée-Palast wird er einem Louis-XIV-Sessel die Lehne abbrechen.

Die Berliner "Tageszeitung" (TAZ) in einem Offenen Brief an Franz Josef Strauß, 24. September1982.

Und ich sage auch jetzt hier eines verbindlich: a) ich will nicht und werde nie Kanzler werden, b) ich halte Herrn Kohl, den ich nur im Wissen, den ich trotz meines Wissens um seine Unzulänglichkeit um des Friedens willen als Kanzlerkandidat unterstützt habe, wird nie Kanzler werden. Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles dafür ... Und glauben Sie mir eines, der Helmut Kohl wird nie Kanzler werden, der wird mit 90 Jahren die Memoiren schreiben: "Ich war 40 Jahre Kanzlerkandidat, Lehren und Erfahrungen aus einer bitteren Epoche." Vielleicht ist das letzte Kapitel in Sibirien geschrieben oder wo.

Franz Josef Strauß, nicht in einer Antwort an die Berliner "Tageszeitung", sondern in einer Rede, gehalten schon im November 1976 vor Parteifreunden in der Zentrale des Münchner "Wienerwald"-Konzerns.

Böll auf dem "Forellenhof"

Im Dachstübchen poltert ungehalten der greise Ernest Hemingway. William Faulkner schlendert durch den deutschen Wald. Heinrich Böll wird ein Roman gestohlen. Und auch Gottfried Benn wohnt im guten alten Waldhotel "Forellenhof", das 1964 Schauplatz einer urgemütlichen Fernseh-Familienserie mit Hans Söhnker war. Aus den acht Folgen des damals höchst erfolgreichen "Forellenhofs" montierten die Frankfurter Satiriker Gernhardt, Eilert und Knorr zwei 45-Minuten-Filme mit völlig neuen Texten. Im ersten Werk, das das Dritte Südwest-Programm am 1. Oktober um 21.15 Uhr sendet, verwandelt sich der knorrige Patriarch Söhnker in den windigen Verleger Bärenbinder, der seine Autoren zu einem "Dichtertreffen" lädt. Schöner Nonsens, von den drei Satirikern der Zeitschrift Titanic mit absurden Dialogen ausgestattet. Die ersten zehn Minuten sind zwar etwas flau, aber die anderen Dritten Programme sollten den Spaß unbedingt übernehmen.

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