Noch vor dem Machtwechsel in Bonn galt es als ausgemachte Sache, daß die Führer der Unionsparteien beim Einzig ins Kanzleramt und in den Ministerien unter den führenden Beamten möglichst wenig Köpfe rollen lassen würden, Gute Vorsätze lassen sich freilich leichter fassen als verwirklichen.

Doch nicht jeder bekommt gleich den Laufpaß, nur weil er Sozialdemokrat ist. So wird der neue Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg zumindest bis zum März, wenn neu gewählt werden soll, auf einen so qualifizierten Mann wie seinen Staatssekretär Horst Schulmann – zuständig vor allem für die internationale Währungs-, Geld- und Kreditpolitik – kaum verzichten können, mag er auch das Parteibuch der SPD mit sich herumtragen.

Das Gerücht, Schulmann werde durch Hans Tietmeyer, hochangesehener Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium und CDU-Mann, ersetzt, wird, wenn überhaupt, wohl erst nach dem 6, März wahr. Tietmeyer, der bei der Verteilung der Staatssekretärswürden diesmal noch leer auszugehen schien, wird sich mithin noch ein wenig gedulden müssen – wobei ja hoch offen ist, ob sich nicht auch in einem anderen Ministerium etwas Passendes für ihn findet.

Schulmanns für den Haushalt zuständiger Staatssekretär-Kollege Günter Obert wird wohl unbeschadet im Amt verbleiben: Er ist parteilos, seriös und nicht gerade der Prototyp eines politischen Menschen. Selbst sein nächster Mitarbeiter Eberhard Hubrich wird sich, obschon Sozialdemokrat, noch keine akuten Sorgen machen müssen. Als Leiter der haushaltspolitischen Abteilung wird er Stoltenberg zunächst noch nützliche Dienste leisten müssen.

Der neue Minister war, durchaus im eigenen Interesse, zunächst an möglichst großer Kontinuität im personellen Bereich interessiert, obwohl sein neuer Parlamentarischer Staatssekretär Hansjörg Häfele die während der sozialdemokratischen Herrschift gewachsenen Strukturen gern kräftig ausgedünnt hätte. Van dieser Kontinuität könnten fürs erste sogar die beiden der SPD angehörenden Abteilungsleiter Otto-Erich Geske und Jürgen Wefelmeier profitieren. – Ersterer ist u. a. für Bund-Lärder-Finanzbeziehungen zuständig, über die Stoltenberg in seiner bisherigen Funktion so oft geklagt hat; letzterer hingegen, ein brillanter Denker und Leiter der Grundsatzabteilung, ist auf die Dauer für einen CDU-Minister nicht tragbar – Grundsatzabteilungen stehen gewissermaßen für das "Programm" eines Ministeriums.

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Diese Unvereinbarkeit mußte noch ein anderer Grundsatz-Abteilungsleiter erfahren: Ulrich Pfeiffer, jung wie Wefelmeier und der vielleicht intelligenteste Fachmann im dichten Dschungel der Wohnungspolitik. Er ist eher ein Vertreter jener von wissenschaftlichem Verstand geprägten und ideologiefreien Wohnungspolitlk, die es während der sozialdemokratischen Regierungszeit sehr schwer hatte. Dennoch mag ihn der neue Bauminister Oscar Schneider (CSU) nicht im Amt belassen.