Als Wieland Schmied 1973 in Hannover eine umfassende und vorzügliche Asger-Jorn-Ausstellung eröffnete, konnte und mußte er noch anmerken, daß "Jorns Kunst nicht die Aktualität der Stunde" für sich habe. Wenn jetzt Uwe M. Schneede im Hamburger Kunstverein eine COBRA-Ausstellung zeigt (sie hat weniger Exponate als damals der Jörn), dann ist die Situation günstiger und schlechter zugleich. Günstiger, weil, nicht zuletzt durch den ungenierten Rückgriff der Neuen Wilden auf expressionistisches Vokabular, das Interesse an jeder Art von spontaner, antiformalistischer Kunst wieder neuen Auftrieb hat. Ungünstiger, weil gerade zu diesem Zeitpunkt nicht nur eine Asger-Jorn-Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum begonnen hat, sondern weil auch das in diesem Frühjahr eröffnete Jorn-Museum in Silkeborg und das soeben erweitert eröffnete Louisiana-Museum bei Kopenhagen zur Zeit keine Bilder aus ihren Beständen entbehren möchten.

Was Schneede unter diesen erschwerten Umständen zusammenbekommen hat, ist eine Ausstellung, die ein doch eher unvollständiges COBRA-Bild gibt (der Katalog, der viel dokumentarisches Material enthält, gleicht das Wieder aus). So fehlt Else Alfelt, die Frau in der COBRA-Gruppe. Von Pierre Alechinsky, dem Poeten unter den COBRA-Malern, sind nur eine kleine Radierfolge und zwei Lithos zu sehen. Von Asger Jörn, der treibenden Kraft und dem wohl bedeutendsten Künstler der Gemeinschaft, gibt es nur drei Bilder und zwei Aquarelle. Künstler wie Constant oder Karel Appel bekommen dadurch ein ziemliches Übergewicht. Schneede beschränkt sich in der Ausstellung im wesentlichen auf die drei Jahre, in denen die Gruppe wirklich als solche existierte (1948-1951), er versucht, den kunsthistorischen Einschnitt zu zeigen, auch mit Bildern der Dänen Pedersen und Mortensen aus der Zeit vor COBRA zu belegen. Aber was ist COBRA ohne die Folgen, zum Beispiel die großen Bild-Mythen von Asger Jörn, die in den fünfziger Jahren entstanden oder Alechinskys spätere Arbeiten?

Begonnen hatte COBRA (die Mitglieder stammten aus COpenhagen, BRüssel und Amsterdam) als Zusammenschluß von Künstlern, die sich im Protest gegen die gängigen Stile der Nachkriegszeit fanden und die ihrerseits archaische Bildformen und eine spontane, unkalkulierte Malerei propagierten. Aus Dänemark gehörten zu COBRA: Jörn, Pedersen, Mortensen, Alfelt, Jacobsen, aus Belgien Alechinsky, Dotremont, aus Holland Appel, Brands, Constant, Corneille, Lucebert. (Kunstverein bis zum 7. 11., Katalog 25 DM) P. K.