Bei Mega-Petrol soll der Gründer kaltgestellt werden

Von Hermann Bößenecker

Seine Kontrahenten wundern sich über seine "Unverfrorenheit". Ernst Willner in Unterföhring bei München, glückloser Reeder, Anfang des Jahres zusammen mit seinen beiden Brüdern Horst und Heinz als gescheiterter Retter der Kreidler-Fahrzeugwerke in Kornwestheim finanziell schwer in die Bredouille geraten, macht wieder von sich reden: Als er vor zwei Wochen vor einem Kreis überwiegend skeptischer Journalisten als Verkäufer steuerbegünstigter Immobilien debütierte, erzählte er ganz beiläufig, was er mit der von ihm gegründeten und im Abschreibungsgeschäft seit längerem heftig umstrittenen Mega-Petrol-Gruppe vorhat: die "Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und die Einführung der Papiere an den Börsen in New York und Toronto", so die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Willners Geschäftspartner bei der Mega, die seit Monaten dabei sind, ihn zu entmachten und die Gruppe finanziell zu konsolidieren, fielen aus allen Wolken. Denn es geht darum, wie Verwaltungsratsvorsitzender Hermann Peck erklärt, das "Image zu verbessern", und da kann Willners Name nur schaden.

Der jetzige starke Mann bei Mega, der Ingolstädter Bekleidungsfabrikant Karl Schleicher, der schon lange kein gutes Haar an Ernst Willner läßt, schimpfte: "Der gibt keine Ruhe. Willner hat noch jedes Pferd vom Schwanz her aufgezäumt." Wenn Willner eine Aktiengesellschaft gründen wolle, so stehe das im Widerspruch zu allen Verträgen – "er kann nur Vorschläge machen, mehr nicht".

Allerdings ist es nicht so leicht, Willner aus der in die Öl- und Gasexploration in Nordamerika investierenden Firmengruppe ganz hinauszukomplimentieren. Er ist nach wie vor Komplementär der fünf Mega-Kommanditgesellschaften. Nach dem Beschluß der Kommanditisten vom 26. Februar kann Willner nun zwar mit einfacher Mehrheit als Komplementär abberufen werden, bisher wollte man den formalen Hinausschmiß aber vermeiden. Der Verwaltungsrat hat nun am 25. September Willner zum zweiten Mal zum Rücktritt aufgefordert. Vorerst reagierte er darauf, so Beck, "widersprüchlich".

Immerhin hat Karl Schleicher, von der Süddeutschen Zeitung als "Phönix in einer ausblutenden Branche", der Bekleidungskonfektion, gefeiert, bei der Verwaltungsgesellschaft Mega Management GmbH mit fünfzig Prozent der Anteile, wie er versichert, 51 Prozent der Stimmen (Ernst Willner hält 26 und sein Bruder Horst 24 Prozent). Er hat bei zwei Kommanditistenversammlungen im Februar und März und bei einer außerordentlichen Versammlung im September seine dominierende Stellung abgesichert; ohne seine finanzielle Hilfe wäre die Mega bisher kaum über die Runden gekommen. "Schleicher bricht in das Unternehmen wie ein Wirbelsturm", notierte ein Teilnehmer an der Februar-Versammlung im Münchner Crest-Hotel ("es gab lediglich belegte Brötchen und dazu Kaffee, von beidem sehr wenig") in einem vertraulichen Protokoll.