Auch Rom muß jetzt die heimische Stahlproduktion erheblich drosseln

Für den Rest des Jahres schickt Rom 13 000 staatliche Stahlarbeiter nach Hause. Aber nicht die Stahlkrise hat den Staat zu dieser Entscheidung gezwungen, Auslöser war vielmehr ein Memorandum der EG-Kommission. Die hohe Behörde, so heißt es darin, kann die von Italien angeforderten Subventionen zur Umstrukturierung der Stahlindustrie nicht genehmigen, weil der italienische Stahlplan das von der Europäischen Gemeinschaft gesteckte Ziel nicht erreicht. Rom müsse wesentlich mehr Kapazitäten stillegen als geplant.

Dieser Bescheid zwingt Rom zum Handeln, denn kein Geld aus Brüssel bedeutet ohnehin, daß alte Anlagen stillgelegt werden müssen. Wenn Italien den Forderungen nachkommt, kann es wenigstens mit Geld zur Restrukturierung der Anlagen rechnen.

Mochte die Bundesrepublik Deutschland in den letzten sieben mageren Jahren 45 000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie verlieren, Frankreich über 50 000 und England sogar über 100 000, die Italiener focht das bisher nicht an. Sie stiegen unterdessen zur zweitgrößten Stahlnation Europas auf und stellten sogar noch ein paar tausend Mann für ihre neuen Hochöfen und Walzstraßen ein.

Dabei zeichnete sich die Krise auch in Italien bereits seit Jahren deutlich ab. Aber mehr als sechzig Prozent der gesamten Stahlproduktion des Landes von 24 Millionen Tonnen kommen aus Staatsbetrieben. Und wenn schon grundsätzlich niemand entlassen werden darf, dann erst recht nicht vom italienischen Staat. Darüber hinaus aber wachten die Gewerkschaften auch streng darüber, daß die Beschäftigtenzahlen gemindert wurden.

Das Beharren auf unhaltbaren Positionen kostete Rom viel Geld. Ebenso kontinuierlich wie der Stahlausstoß wuchs, nahm das Defizit der staatlichen Stahlholding Finsider zu. Für 1981 erreichte es schließlich 4,5 Milliarden Mark.

Dennoch ließ man nicht vom finanziellen Lotterleben ab. Schon den Aufbau seiner riesigen Stahlkapazitäten hatte der Staat durch subventionierte Kredite ermöglicht, nun nahm man zur Deckung der Verluste einfach weitere Kredite auf, zumal das neue Grundkapital manchmal schon durch Verluste aufgezehrt wird, ehe die Kapitalerhöhung überhaupt vollzogen ist. So beschloß die Staatsholding im Juli eine Abwertung und Wiederaufstockung um fast zwei Milliarden Mark – die Verluste werden aber in diesem Jahr noch höher sein. Der Staat jedoch hat selbst kein Geld und zahlte deshalb seine Aktien auch bisher noch nicht ein.