Hervorragend

Hans-Jürgen Buchner: "Haindling 1". Etwas so Originelles läßt nicht einmal das Plattentaschen-Photo vermuten: Dort sitzt, wie Philemon und Baucis, ein altes (griechisches?) Paar. Aber das Lied "I love you and you love me - i mog di, und du magst mi – i bei dir und du bei mir" paßt eher auf das ländliche junge Paar, das unter den achtzig Einwohnern des niederbayrischen Dorfes Haindling lebt und in einem dreihundert Jahre alten ehemaligen Gasthof eine sicherlich erfolgreiche Keramik-Werkstatt betreibt: Töpfermeister Buchner (Bayerischer Staatspreis 1978) und seine Freundin Ulrike Bögmüller, zwei Menschen von musikalischer Phantasie, die unter gutem Zureden ihre erste Schallplatte gemacht haben. Der Reiz liegt zuerst in den Texten: Nonsens, philosophische Burleske, Ulk und ernste Pièce. Das hat seinen wundersamen Widerpart in einer rustikalen, derb-beschwingten Musik, genauer: in der schelmischen Instrumentierung, bei der "Blechklang und Synthesizer ... eine irre Mischung" abgeben. Man hört die Tenortuba heraus und das Piano, Pauke und Posaune, Xylophon und Saxophon und ist selig über die Intermezzi, die die Lieder mit trockenem Witz verbinden. (Polydor 2372 146) Manfred Sack

Hörenswert

Jennifer Warnes: "Best of Jennifer Warnes". Mit der kalifornischen Soft-Rock-Mafia hat Jennifer Warnes nur insofern etwas zu tun, als sie auf deren Platten bisweilen als Background-Vokalistin zu hören ist. Im übrigen geht sie unbeirrt eigene Wege, hält sich vom Hollywood-Klüngel fern und singt von Folk-Balladen der neunziger Jahre bis zu meist etwas melancholisch getönten Eigenkompositionen nur, was sie für dauerhafte Songs hält, deren Qualitäten unabhängig von aktuellen Modell sind. Denn gegen Cole Porter und Edith Piaf hat diese Sängerin so wenig einzuwenden wie gegen Pop-Klassiker der Carole King oder richtig sentimentale torch songs, in denen sich noch Herz und Schmerz reimen. Die Auswahl aus ihrem Repertoire für diese Schallplatte ist zwar entgegen dem Titel nicht die denkbar beste; da gab es auf den Soloplatten entschieden bessere Aufnahmen, beispielsweise ihre Version von Stephen Fosters "Hard Times, Come Again No more" auf dem 1979er Album "Shot Through The Heart". Aber vielleicht animiert diese Anthologie dann doch dazu, in jene LPs zu hören, aus denen "Best of..." zusammengestellt wurde. (Arista 204 427)

Franz Schöler

Originell

"Das Saxophonorchester Frankfurt". Es ist ein Orchester von lauter Musikliebhabern, so beflissen und so rührend in seinen Anstrengungen wie Akkordeon-, Schalmeien- oder Posaunenorchester. Fünfzehn Männer und fünf Frauen gehören ihm an. Die Plattentasche verzeichnet (wohl nicht ohne Stolz) ihre Berufe: Druckerin, Lehrer, Goldschmied, Geograph, Dichter sowie Soziologen, Schüler und Arbeitslose, "die meistens erst im dritten Lebensjahrzehnt begonnen haben, ein Instrument zu lernen, nämlich Saxophon". Trotzdem sind nicht alle Mitglieder dieser Instrumentenfamilie vertreten, es fehlt, leider, der Sopran, aber dafür gibt es Klarinetten und Baßklarinetten. Die 21 Musikfreunde spielen chorische Stücke, andere, die wie Konzerte angelegt sind (und in den Soli die Nähe des Free Jazz suchen) und Charakterstücke. Gar keine Frage, daß der Klang originelle Falten wirft; der Satz ist so einfach wie nötig und entfaltet soviel Eigenart wie möglich. Das hört sich oft lustig an, Sympathie umarmt die eifrigen Musikanten, doch am Ende empfindet man auch ein bißchen Sehnsucht nach philharmonischer Präzision – (Verlag "pläne"/Free Music Production SAJ-40)

Manfred Sack