Falkland und kein Ende: Nach dem Falkland-Gottesdienst, dem Falkland-Fonds, dem Falkland-Fernseh-Epos, den Falkland-Video-Kassetten, der Falkland-Andenken-Industrie und dem Falkland-Orden folgt am kommenden Dienstag die Falkland-Parade in der Londoner City. 1250 Helden ziehen dann auf, 100 000 Zuschauer und mehr werden gerührt die Straßen säumen. Erhaben soll es zugehen, nicht getrübt vom häßlichen Gesicht des Krieges: Die Veranstalter, der Oberbürgermeister der City und das Verteidigungsministerium, waren zu der Uberzeugung gekommen, im schönen Bild der schmucken Sieger würden die Blessierten und – schlimmer noch – Amputierten doch nur allzu störend wirken. Ihre wenig hehre Schlußfolgerung: Sie sollten schlicht wegbleiben.

Das kam dem Daily Mirror zu Ohren und der Royal British Leon, einem traditionsreichen Frontkämpferverband, der gemeinhin keinen Unterschied zu machen pflegt zwischen verwundeten Kriegern und jenen, die heil davonkamen. Es hagelte Proteste. Abgeordnete mischten sich ein, und die Planer der Parade mußten feststellen, daß sie die Stimmung im Lande ganz falsch eingeschätzt hatten. Der Oberbürgermeister redete sich verlegen damit heraus, er habe gedacht, die Verwundeten fühlten sich vielleicht nicht sehr wohl in Falkland-Festzug. Vergeblich behauptete die Polizei, Rollstuhlfahrer brächten "Sicherheitsrisiken" mit sich (welche eigentlich – unter lauter Patrioten?). Plötzlich wollte keiner mehr auf die peinliche Differenzierung zwischen vorzeigbaren Kriegshelden und unästhetischen Krüppeln gekommen sein.

Also mußte eingelenkt werden. In aller Eile trieb das Ministerium sechs ausgewählte Rollstuhl-Soldaten auf, die nun freilich nicht trist hinter den zackigen Parade-Einheiten dreinziehen sollen, sondern seitab im Publikum "dabei sein" werden. Danach dürfen sie am Festmahl teilnehmen, das der Oberbürgermeister im Mansion House gibt.

Luft-Vize-Marschall Charles Maughan, der Generalsekretär der Royal British Legion ist’s zufrieden: "Das ist eine Geste im richtigen Geiste." Den wahren Geist stellt er sich wohl noch anders vor, aber er möchte halt nicht die ganze Parade verderben.

Wenn sie doch nur so gut siegfeiernwie kriegführen könnten, die Briten.

Karl-Heinz Wocker (London)