Unter den erstaunlichen Begabungen junger englischer Illustratoren ist ein neues Talent aufgetaucht: Peter Cross, der nach einer Lehre als botanischer und technischer Zeichner angefangen hat, Kinderbücher zu illustrieren. "Trouble for Trumpets" (Erstveröffentlichung bei Ernest Benn in London) ist nun in einer vorzüglichen, amüsanten Übersetzung von Rolf Inhauser im Verlag Sauerländer erschienen –

Peter Cross (III.) und Peter Dallas (Text): "Die Florins kommen"; Verlag Sauerländer, Aarau, Frankfurt, Salzburg; 36 S., 24,80 DM.

Das Buch gibt großformatige Bilder von einer überwältigenden Lust am erzählenden Detail, vollgestopft mit Drolerien, eine Fundgrube für kindliche Entdeckungen. Ein schier unerschöpflicher Reichtum an Gegenständen und verblüffende Genauigkeit in der Darstellung machen die Faszination dieser Illustrationen aus. Poddi erzählt die Geschichte eines triumphalen Sieges der freundlichen Florins über ein Heer bärbeißiger, schlecht gelaunter Winterwesen, die das blühende Florin-Land in eine kalte Eiswüste verwandeln wollen. Das sind die Norrins, die mit Eiszapfen-Gewehren, Schwebicoptern, Eispatronentascnen und der Kälte-Division Nord unter dem Ober-Kommando von Agirre die sanften sommer- und friedliebenden Florins überwältigen wollen.

Was zunächst ärgerlich martialisch klingt, erweist sich als eine ulkige phantasievolle Riesenrauferei, die mit Charme uund Flower-Power von den netten Florins gewonnen wird. Deren Kriegslisten bestehen aus heimlich verstrahlten "TV-Programmen für den vernünftigen Norrin", aus Attacken mit Kröten-gezogenen-Heißwasser-Bettflaschen-Kanonen, dem Frühlinggewehr (das weiße Blüten verschießt), dem Tau-Thermometer, einer Spiegelfechtertruppe und schließlich dem siegreichen dritten Bettflaschallion, das zu Hundertschaften mit Bettflaschen ausgerüstet die strahlende Schlacht vom 1. April siegreich entscheidet.

Die Norrins müssen abhauen, Poddi, Tulipan, Urubu, der kleine Zaunkönig und alle sommersüchtigen friedliebenden Florins feiern ein gewaltiges Frühlingsfest.

Was sich millimeterklein auf den großen Bildtafeln tut, ist gigantisch. Nicht nur die Phantasiegeschöpfe (die skurril aussehenden, dicknasigen Florins und Norrins) sind meisterhaft gezeichnet: neben dem Szenarium von Zauberwesen sind unerhört exakte schöne Naturstudien zu finden; ein Rotkehlchen im Schlehenstrauch, umgeben von Geißblatt und Brombeerblüten, Winde, Hopfen, Kreuzdorn und Nachtschatten. Ganz nebenbei also erweist sich dieses phantastische Bilderbuch auch noch als Sachbuch für botanische und zoologische Informationen. In Zierleisten an den Bildrändern finden sich Pflanzen und Tiere nach Spezies geordnet und numeriert wieder.

Ein Kinderbuch, das spannend und witzig ist, das auf sehr subtile und sehr englische Weise Gewalt und Kriegsgeschrei parodiert, brillant gezeichnet und humorvoll erzählt. U. B.