Am Wochenende ist in Spanien eine militärische Verschwörung aufgedeckt worden. Drei Offiziere wurden verhaftet, aber fast 200 Obristen und Majore sind verdächtig, für den 27. Oktober – den Tag vor den Parlamentswahlen – einen Putsch in klassischer Manier vorbereitet zu haben: Abriegelung der Hauptstadt Madrid und Festnahme der kommandierenden Generäle, denen die Verschwörer die nötige rechte Gesinnung offenbar nicht mehr zutrauen.

Gerade dies läßt hoffen. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 23. Februar 1981 haben große Teile des Militärs alten Träumen abgeschworen. Keine Rede davon, daß sie die Demokratie nun lieben; kein Zweifel ferner, daß ihnen ein sozialistischer Wahlsieger überhaupt nicht paßt. Doch mit jedem Monat, der verstreicht, verblaßt Francos Schatten. Die Hoffnungen der Gestrigen konzentrieren sich jetzt auf die Rechtsparteien – auch das ist ein Fortschritt.

Der Wahlsieger, ob sozialistisch oder konservativ, wird dann den letzten Schritt tun und die Sonderrechte der Uniformierten beseitigen müssen. Zu lange haben die Soldaten einen Staat im Staate gebildet und Gehorsam gegenüber der zivilen Gewalt nur widerwillig geleistet. Zu lange hat die Regierung gleichzeitig geduldet, daß uniformierter Widerstand als Kavaliersdelikt geahndet wurde. Mit ihrer Verschwörung haben die Obristen signalisiert, daß es, nötig und möglich geworden ist, sie energisch auf ihren Platz zu verweisen.

H. B.