ZEIT: Nach "Apocalypse Now" wollten Sie sich mit Goethes "Wahlverwandtschaften" beschäftigen. Was ist daraus geworden?

Coppola: Meine "Wahlverwandtschaften" sollten aus einer ganzen Gruppe von Filmen bestehen, ausgehend von Goethes Roman, aber doch etwas Eigenständiges: die Erforschung und Darstellung von Liebe nach den Prinzipien von Chemie und Physik, angesiedelt in verschiedenen Kulturen. Etwas davon ist auch in "Einer mit Herz" zu sehen. In gewisser Weise kann man diesen Film als Skizze, als Vorstudie für das größere Projekt verstehen.

Ich war damals in Japan. "Apocalypse Now" war abgedreht, ich war völlig allein, mit meinem ehelichen Trauma beschäftigt, als ich dieses Drehbuch bekam: eine kleine einfältige Trennungsgeschichte, wie sie vor ein paar Jahren mit Schauspielern wie Jill Clayburgh und Burt Reynolds gedreht wurden. Die Handlung spielte in Chikago. Ich entschloß mich, sie nach Las Vegas zu verlegen. In Tokio sah ich täglich, wie die Japaner alle falschen Dinge von den Amerikanern übernommen hatten. Die Ginza glich Las Vegas. Und Las Vegas erschien mir als ein Ort, in dem Realität und Illusion einander durchdringen: eine Metapher für die Liebe selber, die lockt und alles verspricht. Doch dann bekommt man einen Tritt, endet betrunken und verzweifelt. Außerdem vernahm ich in der Geschichte von "Einer mit Herz" das Echo der "Wahlverwandtschaften": wie sich Paare finden und verlieren, die Austauschbarkeit.

ZEIT: Der Stil Ihres Films ist sehr ungewöhnlich, eine radikale Abkehr vom üblichen Naturalismus.

Coppola: Dieser naturalistische Erzählstil, wie er heute das Kino beherrscht, begann mich zu langweilen: psychologische Schauspielerführung, naturalistische Dekors. Ich wollte ein Experiment wagen: ganz und gar gewöhnliche Personen mit ihren kleinen Problemen in eine phantastische, theatralische Szenerie stecken. Nach meiner Rückkehr in die USA fiel mir auf, daß die Fernsehwerbung, an der man ja den Zustand eines Landes am genauesten erkennt, inzwischen nach diesen Prinzipien arbeitete.

Der Traum von einem Film in einem Stil von absoluter Künstlichkeit führte direkt zur Einrichtung eines eigenen Studios. Plötzlich war ich auf mich selber gestellt. Die Geldgeber, die einen naturalistischen Film wollten, sprangen ab. Die äußeren Bedingungen der Produktion waren sehr schwierig, und als der Film dann fertig war, umgaben ihn derart viele Gerüchte, daß die Kritiker über der Frage, ob ich mein Studio verlieren würde, seine neuartigen Elemente übersahen.

ZEIT: Könnte es sein, daß die Figuren einfach zu klein für die grandiose Kulisse sind, daß sie untergehen?